Leitartikel

Die „Rente mit 67“ verliert ihren Schrecken

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Im neuen Wahlprogramm der SPD, das in den Bereichen Steuern und Arbeitsmarkt die Wirtschaft mächtig vor den Kopf stößt, fehlt immerhin eine von der Parteilinken erhobene Forderung: das Streichen der 2007 unter dem sozialdemokratischen Arbeitsminister Franz Müntefering beschlossenen „Rente mit 67“.

Das ist beachtlich. Die größte Oppositionspartei haut im Kampf um die Kanzlerschaft auf den Putz, profiliert sich als kantige Alternative – aber an der Rente mit 67 rüttelt sie nicht mehr wirklich. Dass die SPD „flexible Übergangsmodelle“ fordert und mit der „Überprüfungsklausel im Gesetz“ droht, ist für ein Wahlprogramm relativ harmlos.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer, der vor gut einem Jahr zum Entsetzen der Bundesregierung die Rente mit 67 kritisierte, ist neuerdings beruhigt: Die Wirtschaft sei endlich „auf der richtigen Spur“ und „reißt sich zusammen“, befindet er angesichts der rasant steigenden Zahl der Arbeitsplätze für Leute ab 60. Ein überfälliger Mentalitätswechsel? In Wahrheit folgen die Betriebe, heute wie damals, nur der politischen Vorgabe. Als die Politik in der Kohl-Ära gigantische Frühverrentungsprogramme beschloss, weil angeblich nur so die Jüngeren in den Beruf kämen, hat man das pragmatisch umgesetzt. Und seit die Politik diese Programme beendete, weil sie den Sozialstaat überforderten und den Fachkräftemangel mit auslösten, besinnt man sich auf die Stärken der Älteren.

Schon jetzt haben von vier 60- bis 64-Jährigen, die für sozialversicherungspflichtige Jobs zur Verfügung stehen, drei eine solche Stelle. Wenn es so weitergeht, wird die Rente mit 67 kein Problem. Sie kommt ja nur schrittweise, bis 2031. 


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