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Ältere Arbeitnehmer: ... und weg sind sie!

Die negativen Folgen der Rente mit 63 zeigen sich bereits

Berlin/Freiburg. Rauf aufs Motorrad und die Freiheit genießen: Verlockungen wie diese dürften für so manchen ein Grund sein, die Rente mit 63 zu beantragen – abschlagsfrei, nach 45 Beitragsjahren. Und schon wenige Monate, nachdem die Große Koalition diese Möglichkeit geschaffen hat, zeigen sich alarmierende Konsequenzen.

Die Rente mit 63 treibt Ältere aus dem Arbeitsmarkt!

Erstmals seit langer Zeit ging die Zahl der Arbeitnehmer im Alter von 63 bis 65 Jahren zurück, so die Bundesagentur für Arbeit. 447.000 waren es im September vergangenen Jahres – 23.600 weniger als noch im Juni, dem letzten Monat vor der Rentenreform.

Das ist umso bedenklicher, als die Gesamtbeschäftigung um 1,7 Prozent zulegte. Und der Rückgang dürfte sich fortsetzen: Zum Zeitpunkt der Statistik im letzten September waren 137.000 Anträge auf die neue Frührente eingegangen; seitdem kamen noch mal so viele hinzu. Den Einzelnen mag das zunächst freuen – doch das mühsam erreichte Ziel, mehr Ältere im Arbeitsleben zu halten, ist gefährdet. Von 2005 bis 2013 war der Anteil der Erwerbstätigen bei den 60- bis 64-Jährigen von 28 auf 50 Prozent gestiegen. Selbst Mediziner warnen: Der Verlust von Aufgabe und sozialen Kontakten sei für die Gesundheit nicht förderlich.

Und für die Beitragszahler wird das teuer. Zwar ist der Beitrag zum Jahreswechsel von 18,9 auf 18,7 Prozent gesunken. „Aber er wird aufgrund des Rentenpakets dauerhaft um 1 Prozentpunkt höher liegen als eigentlich nötig“, sagt Professor Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Uni Freiburg. Er betont: „Die Beitragszahler haben die Mehrbelastung auf Jahrzehnte zu tragen. Nämlich so lange, wie diejenigen leben, die aufgrund des Gesetzes früher abschlagsfrei aussteigen.“

Auch für die Höhe der Renten, so Raffelhüschen, ergeben sich langfristig negative Folgen: Das sogenannte Eckrenten-Niveau, das wegen der alternden Gesellschaft ohnehin sinkt (siehe Grafik), werde in den Jahren nach 2028 noch weiter absacken, auf unter 40 Prozent. Private Vorsorge ist also wichtiger denn je. Mit den staatlich geförderten Sparformen der Betriebsrente und Riester-Rente zum Beispiel kann man die Versorgungslücke ein gutes Stück weit schließen.


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aktualisiert am 17.04.2018

Die geplante Rente mit 63 lohnt sich im Prinzip für jeden, der sie nutzen kann. Also – machen? Psychiatrie-Professor Ulrich Hegerl rät zur Vorsicht: „Den meisten würde es nicht guttun“, betont er. Und erklärt, warum.

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