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Die Nase vorn


Knorr-Bremse und Schaeffler gelingt der Einstieg in Japans Markt für Hochgeschwindigkeitszüge

München/Herzogenaurach. Not-Stopp bei einem Erdbeben? Kein Problem für die Bremsen des neuen Shinkansen. Eingebaut im japanischen Hochgeschwindigkeitszug, meistern sie auch extreme Situationen.

Hersteller ist die Münchner Knorr-Bremse AG. Und wichtige Komponenten sind ebenfalls Technik aus Deutschland. Denn die Bremszangen, die die Beläge an die Räder drücken, sind mit Nadellagern der Schaeffler-Gruppe in Herzogenaurach bei Nürnberg ausgestattet.

Nadellager, das sind wie Kugellager eine Bauart von Wälzlager. Diese werden fast überall dort eingesetzt, wo sich etwas bewegt. Angefangen beim Zahnarztbohrer über Autoräder bis zu Windkraftanlagen und Schaufelradbaggern. Im Shinkansen sorgen die Lager dafür, dass die Bremszangen zuverlässig zupacken.

„Es muss das Beste sein“

Dass Knorr-Bremse und Schaeffler in Japan zum Zug gekommen sind, ist für beide ein toller Erfolg. Simone Purbs, die Leiterin des Bahngeschäfts der Schaeffler-Gruppe, schwärmt: „Es ist unser erstes großes Serienprojekt für die japanische Bahn. Eine Super-Referenz.“

Denn Japaner machen es deutschen Unternehmen nicht gerade leicht: Am liebsten kaufen sie einheimische Produkte. „Nur, was sie selbst nicht herstellen, importieren sie“, sagt Ulrich Ackermann, der Leiter der Außenwirtschaftsabteilung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. „Und dann muss es das Beste sein.“

Für die Bahnen in Japan stehen mehr als in anderen Ländern Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ganz vorn. Schaeffler-Managerin Purbs: „Die Leute dort sind äußerst irritiert und verärgert, wenn ein Zug auch nur fünf Minuten zu spät ankommt.“

Die Bremsen für die neue Shinkansen-Generation hat die private Bahngesellschaft JR East mehrere Jahre getestet – in einem Versuchszug. Erst dann bekam Knorr-Bremse den Zuschlag.

„So stark wie 20 Porsche“

Die Technik soll im äußersten Fall bei einem Erdbeben auch auf einer Strecke berg­ab zuverlässig funktionieren. „Dabei muss jede Bremse so viel Energie stoppen wie alle 80 Bremsscheiben in 20 Porsche zusammen, um die Autos mit einer Geschwindigkeit von 250 zum Stillstand zu bringen“, sagt Michael Michaelis, der Leiter der Versuchsabteilung Drehgestell-Ausrüstung von Knorr-Bremse.

Große Belastungen verkraften und das möglichst lange – das wird auch von anderen Bauteilen in den Schnellbahnen verlangt. „Zum Beispiel werden für Radsatzlager in Hochgeschwindigkeitszügen Laufleistungen bis zu drei Millionen Kilometer und mehr ge­fordert“, berichtet Schaeffler-Ingenieurin Purbs.

Radsatzlager sitzen am Ende der Achsen. Im Shinkansen stammen sie zwar nicht von Schaeffler. Dafür aber etwa im „Velaro“, dem schnellsten Zug von Siemens. Der saust zum Beispiel durch Russland, wo es auch extreme Anforderungen gibt.

„Dort wird es eisig kalt, bis minus 50 Grad“, erzählt Purbs. „Da braucht man einen speziellen Gusswerkstoff für das Gehäuse der Lager – und  ein besonders frostbeständiges Schmierfett.“

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