Endlich schlafen

Die nächtliche Ruhe ist unverzichtbar für Leistungsfähigkeit und Lebensqualität

Düsseldorf. Es geschah in einer Bank in Hessen: Als ein Angestellter eine Überweisung bearbeiten wollte, gab er statt 62,40 Euro gleich 222 Millionen Euro in den Rechner ein. Der Sekundenschlaf hatte ihn erwischt, sein Finger blieb auf der Taste mit der „2“ hängen.

Diese Panne, geschehen vor zwei Jahren, konnte korrigiert werden. An­dere Folgen schlechten Schlafs lassen sich nicht einfach per Knopfdruck rückgängig machen.

Jeder dritte Deutsche schläft schlecht. Die Konsequenzen zeigen Studien diverser Krankenkassen: Bluthochdruck, Diabetes oder das Gefühl, ausgebrannt zu sein.

Oft hilft es schon, wenn man ein paar Dinge im Alltag verändert

Und: „Wer unausgeschlafen ist, kann sich schlechter konzentrieren und ist weniger produktiv“, sagt Corinna Jaeger vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf.

Der Schaden für die Wirtschaft wird auf Hunderte Millionen Euro im Jahr geschätzt – nicht zuletzt, weil es immer wieder zu Fehlzeiten kommt.

„Wie wichtig das Grundbedürfnis Schlaf ist, wird immer noch total unterschätzt“, so Jaeger. „Er ist eine zentrale Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.“ Die nächtliche Ruhe dient nicht nur der Erholung. Im Schlaf wird viel verarbeitet, was man über den Tag erlebt und gelernt hat. Außerdem läuft das Immunsystem nachts auf Hochtouren. Die Körperabwehr wird stabilisiert.

Gründe für Schlaflosigkeit sind unterschiedlich: Koffein- und Zigarettenkonsum vor dem Zubettgehen, falsche Ernährung, unruhiges Umfeld, Ereignisse, die einen belasten. „Oft hilft es, wenn man ein paar Dinge in seinem Alltag verändert“, so Jaeger.

Anfällig sind auch Nacht- und Schichtarbeiter, weil sie entgegen ihrem Biorhythmus arbeiten. Der Mensch ist ein Tagwesen. Viele Betriebe müssen aber, um wettbewerbsfähig zu bleiben, rund um die Uhr produzieren.

Speziell für Schichtarbeiter gibt es Lösungen, um ihnen das Leben zu erleichtern. Sie kommen mit einem sogenannten „vorwärtsgewandten Wechsel“ am besten klar. Das heißt: früh, spät, Nacht – und nicht umgekehrt. Außerdem sollte man nicht mehr als drei Nächte hintereinander arbeiten. Viele Betriebe haben ihre Arbeitspläne nach diesem ergonomischen System gestaltet.

Auch für Mitarbeiter, die nur am Tag im Einsatz sind, bieten viele Firmen Hilfe an. Beim Chemie-Unternehmen BASF zum Beispiel können die Beschäftigten Seminare für „Power-Napping“ besuchen. Dort lernen sie, wie sie einen Kurzschlaf abhalten und dabei Energie tanken.

Auf den schnellen Schlaf zwischendurch setzt auch der Lebensmittelkonzern Unilever in Hamburg. Es gibt Räume, in denen sich jeder kurz aufs Ohr legen kann. Auch der Installationsspezialist Vaillant in Gelsenkirchen hat Ruhezimmer. Und der Internet-Riese Google hat in seiner Züricher Niederlassung ein wahres Paradies für Mittagsschläfer eingerichtet.

So viel Komfort erfordert freilich Disziplin: in der Pause nur mal kurz wegnicken und nicht den Arbeitstag verschlafen.


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