Inflation

Die Milch macht’s...nicht!


Preisschock-Schlagzeilen: Wie stabil ist unser Geld?

Kurz hintereinander werden die Verbraucher mit zwei Meldungen konfrontiert: „Käse, Butter, Quark deutlich teurer“, warnt die eine. „Inflationslage stabil“, beruhigt die andere. Nanu: Schwindelt hier jemand?

Mitnichten. Den scheinbaren Widerspruch aufzulösen – dabei hilft Erhard Richarts, Leiter der Milch-Abteilung in der ZMP. Diese „Zentrale Markt- und Preisberichtstelle“ der Land- und Ernährungswirtschaft in Bonn hat exakt verfolgt, wie der Preis für ein halbes Pfund Butter um satte 40 Cent nach oben sauste. Entsprechende Schlagzeilen wundern Richarts nicht: „Die Verbraucher achten stärker auf solche Produkte“, sagt er.

300 Liter pro Kopf und Jahr

Aber Richarts kennt eben auch den Pro-Kopf-Verbrauch, wenn es um die Milch geht und um das, was aus ihr gemacht wird. Der Experte erklärt: „Rund 300 Liter pro Jahr verbraucht der Durchschnittsdeutsche, das meiste davon in Form von Butter, Joghurt, Sahne und anderen Milchprodukten.“ Die aktuelle Teuerung von 7 Cent pro Liter Milch bedeute für einen normalen Verbraucher also weniger als 2 Euro im Monat, betont Richarts.

Dass deswegen die Inflationsrate nicht durch die Decke bricht, ist einleuchtend. Aber da gab es doch auch noch Meldungen über steigende Brot- und Kaffeepreise? Tatsache. Andererseits war Gemüse in diesem Sommer deutlich günstiger zu haben als vor einem Jahr: „Minus 10 Prozent“, hat die ZMP ermittelt. Auch Kartoffeln seien billiger als 2006, Obst etwa gleich teuer.

Längst nicht alle Lebensmittel kosten also mehr. Aber nur mal angenommen, es wäre so – würde das den Euro aus den Latschen kippen? Wohl kaum. Denn die Ausgaben für Lebensmittel machen nur ein Zehntel der Lebenshaltungskosten aus (siehe Schaubild).

Butter hin, Gemüse her: „Die Preisentwicklung bleibt auch im August auf einem stabilen Niveau“, meldet das Statistische Bundesamt. 1,9 Prozent: Auf diesem Wert hat sich die deutsche Teuerungsrate seit März eingependelt. Den harten Euro kann teurere Milch nicht mal so eben aufweichen.

Aber sie kann trotzdem auf die Stimmung drücken: Das Konsumklima hat sich erstmals seit einem halben Jahr verschlechtert, berichtet das Marktforschungsinstitut GfK.

„Einfluss wird überschätzt“

„Die Preissteigerungen bei Milch- und Brotprodukten betrachten immer mehr Verbraucher als Gefahr für ihre Kaufkraft“, erklärt GfK-Experte Rolf Bürkl – „aber der Einfluss dieser Güter wird stark überschätzt.“

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Schlagwörter: Private Finanzen

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