Standpunkt

Die Krise und die kleinen Leute

Eine gängige Stammtisch-Parole unter der Lupe

Eine Prise Klassenkampf kommt der Politik durchaus zupass, um von der eigenen Krisen-Mitschuld abzulenken. Sie unterstützt gern von ganz oben die Stammtisch-Parole: „Die kleinen Leute müssen jetzt den Schlamassel ausbaden, den die Raubtier-Kapitalisten angerichtet haben.“

Doch was ist dran? Die Krisenbewältigung gehe auf Kosten der Schwachen – ist diese Anklage beweiskräftig?

Was die Finanzschäden angeht: Zunächst mal ist klar, dass es hier so etwas wie eingebaute Gerechtigkeit gibt. Die Verluste der großen Anleger sind gewaltiger als die der kleinen. Aber wie steht es um die Tragfähigkeit einer kapitalgedeckten Altersvorsorge für Arbeitnehmer? Schließlich ist da ein wunder Punkt: Kleinanleger können Einbruchsphasen nicht so aussitzen wie Großanleger.

Die Krisenbilanz deutscher Pensionsfonds ist vorzeigbar. Betrachten wir die drei Varianten des großen branchenbezogenen Versorgungswerks Metallrente. Bei „Direktversicherung“ und „Pensionskasse“ wurden auch 2008 und 2009 Zuwächse von mindestens 4 Prozent erreicht. Der riskanter auf Rendite setzende „Pensionsfonds“ machte 2008 zwar 16,5 Prozent Verlust – aber nach teils zweistelligen Zuwächsen. Im Jahrfünft bis inklusive 2008 gab es unterm Strich immer noch 3,1 Prozent Rendite per anno, und 2009 ging es schon wieder kräftig nach oben. Wichtig zu wissen: Im schlimmsten Fall garantiert der Fonds den Erhalt des eingesetzten Kapitals.

Was die Auftrags- und Beschäftigungskrise angeht: Unzweifelhaft wurde viel getan, um den Schaden für Arbeitnehmer zu begrenzen. Dass im größten deutschen Industriezweig Metall und Elektro 2009 im Schnitt rote Zahlen geschrieben wurden, hat nicht zuletzt mit dem Bemühen zu tun, möglichst viele Arbeitsplätze durch die Krise zu tragen. Im Spätsommer lag die Produktion um 26 Prozent unter Vorjahr – die Beschäftigung aber nur um 5 Prozent.

Der Staat unterstützt diese Leistung der Arbeitgeber mit der auf bis zu zwei Jahre verlängerten Zahlung von Kurzarbeitergeld. Der Ausbau des Sozialstaats geht auch ansonsten munter weiter – erwähnt seien etwa die populistischen Manipulationen an der gesetzlichen Rente und die Ausweitung des Schonvermögens bei Hartz IV. All das ist nicht unproblematisch. Aber dass viel getan wird, um die Krise gerade für die „kleinen Leute“ abzufedern, gehört jedenfalls nicht unter den Teppich gekehrt.


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