Metall und Elektro

Die Konjunktur? Mal so, mal so!


Hamburg/Berlin. Wie wird sich die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) 2013 entwickeln? Wie viel Prozent geht es rauf oder runter? Das lässt sich zwar knapp mit einer Zahl beantworten. Aber hinter so einem Durchschnittswert stecken Unterschiede, die so groß sind wie vielleicht noch nie.

Während viele Betriebe es kampfstark mit der weltweiten Konkurrenz aufnehmen, hängen andere in den Seilen. Natürlich fallen einem sofort die Autohersteller ein: Bei einigen brummt das Geschäft, andere haben Kurzarbeit beantragt.

Derart brutale Unterschiede gibt es zum Beispiel auch in der Schiffbau-Industrie. Zuletzt sorgten Insolvenzen für Schlagzeilen: Steht die Branche etwa vor dem K. o.?

Reinhard Dirk Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik, winkt ab: „Wir haben rund 60 Werftbetriebe mit über 50 Mitarbeitern. Einige davon haben in der Tat Pro­bleme – aber es gibt auch einige, die wirklich gut im Geschäft sind.“ Zwei bekanntere Beispiele: die Bremer Lürssen Werft, die in den vergangenen Jahren einige Wettbewerber übernommen hat, und die Papenburger Meyer Werft, zu der inzwischen auch die Neptun Werft in Rostock gehört.

Probleme in Europas Krisenländern

„Tatsächlich kann die Lage heute sogar bei sehr ähnlichen Betrieben ganz unterschiedlich sein“, betont Michael Stahl, Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. „Der eine Maschinenbauer verkauft viel in China – dem geht es gut. Der andere hat seine Kunden in Italien oder Spanien – der hat Probleme.“ Unternehmen mit Märkten in südeuropäischen Krisenländern müssten derzeit härter kämpfen als Firmen mit Kunden in aufstrebenden Schwellenländern.

Dazu kommt natürlich, dass sich hinter dem Kürzel „M+E“ sowieso ein ungemein breit aufgestellter Industriezweig verbirgt. Und dessen viele Branchen waren 2012 denn auch ganz unterschiedlich erfolgreich: Während die Produktion etwa bei Stahlverformern und Gießereien sank, legten Maschinen- und Flugzeugbau zu.

Innerhalb der einzelnen Branchen setzt sich dieses „Mal so, mal so“ fort. Beispiel Elektro-Industrie (850.000 Mitarbeiter bundesweit): Wie war denn das Geschäft 2012? Das erfährt man beim Zentralverband ZVEI. „Elektro-Industrie insgesamt: minus 2 Prozent Umsatz. Dabei zum Beispiel Kabel und Drähte: minus 5 Prozent, Gebrauchsgüter: minus 4 Prozent, Messtechnik: plus 5 Prozent, Medizintechnik: plus 6 Prozent“ – und so weiter. Ein klares Bild sieht anders aus.

2013 etwa ein halbes Prozent Wachstum

Das sei aber normal, betont der ZVEI: „Unsere knapp 30 Fachzweige stehen eben an unterschiedlicher Stelle im Konjunkturzyklus, auch je nachdem, ob sie zum Beispiel Vorleistungsgüter, Investitionsgüter oder Produkte für den Endverbraucher liefern.“

Bleibt trotzdem die Frage: Was erwartet man für M+E insgesamt? „Keine Rezession“, betont Gesamtmetall-Experte Stahl, „aber die Entwicklung wird nicht viel besser sein als im Vorjahr.“ Man rechne für 2013 mit einem Plus von etwa 0,5 Prozent. „Die Beschäftigung wird daher bestenfalls stabil bleiben, aber eher leicht sinken.“

Warum der Flächentarif noch Zukunft hat: Ein AKTIV-Interview mit Karsten Tacke vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall lesen Sie hier auf AKTIVonline.

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