Standpunkt

Die Klemme war bloß gefühlt


Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt, sie kommt nicht ...

Nein, werte Leser, die Rede ist nicht von einem Stelldichein im nun aber wirklich allerletzten Frühling des Schreibers. Es geht um die „Kreditklemme“ – jene bedrohliche Erscheinung, die uns seit Beginn der weltweiten Finanzkrise vor gut zwei Jahren ständig von neuem angekündigt wird.

Eine Unterversorgung der Wirtschaft mit Fremdkapital würde Arbeitsplätze gefährden, Firmen unnötig in die Pleite treiben. Und seit dem Bankrott der US-Großbank Lehman Brothers im Herbst 2008 tauchten immer wieder neue vermeintliche Anlässe auf, dieses Schreckgespenst an die Wand zu malen.

Zuerst war es das gegenseitige Misstrauen der Banken, das die Kreditvergabe untereinander lähmte und gemäß manch düsterer Prophezeiung bald auch die „Realwirtschaft“ erfassen würde.

Bald danach gingen neue Befürchtungen um: Der aus der Verschrottung von Schrottpapieren entstehende Verlust der Banken werde das Eigenkapital ausdünnen und so den Spielraum für Firmenkredite begrenzen.

Als dann 2009 in der Wirtschaftsflaute die Bonität vieler Firmen schwand und das Kreditvolumen tatsächlich schrumpfte, sah auch die Kanzlerin eine „sehr ernste Situation“. Und selbst als 2010 die Wirtschaft wieder an Fahrt gewann, wurden Bedenken laut, dass die zögerlichen Banken den Aufschwung abwürgen könnten.

Doch nun erreicht uns diese Nachricht: Von den 115 Milliarden Euro aus dem Deutschlandfonds, welche die Regierung 2009 und 2010 als Kredit oder Bürgschaft an kleine und mittlere Betriebe vergeben wollte, wurden nur 14 Milliarden abgerufen.

Es ist wohl nur eine gefühlte Klemme. Schon im November hatten in einer Erhebung der Industrie- und Handelskammern nur 16 Prozent der Firmen berichtet, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert hätten.

Sie kommt, sie kommt nicht – das Spiel geht weiter. Jetzt warnen Bankenvertreter selbst: Die Vorschrift, künftig mehr Eigenkapital vorzuhalten, könne die Kreditvergabe beschränken. Warten wir’s ab! Vielleicht verschaffen sie sich ja beim Eigenkapital Luft, indem sie Hochrisiko-Geschäfte mit Wertpapieren und die Kreditvergabe an Staatsbankrott-Kandidaten zurückfahren.

Und dafür die weniger gewinnträchtige, aber auch weniger riskante Alternative zu ganz neuen Ehren kommen lassen: das gute alte Kerngeschäft mit den Unternehmen.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang