Gesundheitsvorsorge

Die Kassen-Schlager


Angebote zur Prävention erreichen zu einem großen Teil Mitarbeiter aus der Industrie

Berlin. Die gesetzlichen Krankenkassen schwimmen im Geld. Nachdem sie allein im vergangenen Jahr einen Überschuss von 4 Milliarden Euro erzielt haben, verfügen sie jetzt über ein finanzielles Polster von 20 Milliarden. Doch während Finanzminister Wolfgang Schäuble davon 2 Milliarden Euro für seinen Haushalt ergattern konnte, gehen die Versicherten leer aus.

Fünf Millionen Teilnehmer

Mit einer Senkung der Beiträge wird es nichts. Schließlich warnt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht: „Die Ausgaben dürften im Trend stärker steigen als die beitragspflichtigen Einkommen.“ Das Geld kann also schon in ein paar Monaten wieder knapp werden.

Statt mit niedrigeren Beiträgen buhlen die Kassen daher mit Gesundheitsvorsorge um die Gunst der Kunden. Das lassen sie sich rund 300 Millionen Euro im Jahr kosten.

Fünf Millionen Menschen machen davon Gebrauch. Rund 40 Prozent dieser Präventionsangebote erreichen Mitarbeiter aus Industriebetrieben, hat der Krankenkassen-Spitzenverband GKV ermittelt. Die Programme bieten einen körperlichen und psychischen Ausgleich zu den Belastungen am Arbeitsplatz.

Gefragt sind Fitness- und Rückenkurse, Ernährungsberatung und Nichtraucherkurse – aber auch Yoga, Pilates, Tai-Chi und Aqua-Training. Alles nur Imagepflege? „Nein“, sagt Professor Peter Oberender, Gesundheitsökonom der Universität Bayreuth: „Bei chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Hypertonie oder Diabetes können durch Prävention die Folgekosten deutlich reduziert werden.“

Allerdings schränkt er ein: „Die Wirksamkeit und damit auch die Kosteneinsparungen treten teilweise mit erheblichen Verzögerungen ein, die Jahrzehnte dauern können.“ Deshalb sei es aus Sicht der Kassen „ein gewisses Risiko, Geld zu investieren, in der Erwartung, dass die Ausgaben in der Zukunft reduziert werden.“

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