Wird jetzt sogar alles billiger?

Die Inflation macht uns 2015 keine Sorgen

Wiesbaden/München. Dass „alles immer teurer wird“, das kann uns erst mal keiner vorjammern: Die Preise sind so stabil wie seit fünf Jahren nicht mehr. Und die „gefühlte Inflation“ liegt nach jüngster Rechnung der Großbank Unicredit jetzt sogar – unter null. Ausgerechnet die Deutschen spüren keine Teuerung mehr!

Dazu muss man wissen, dass wir den Kaufkraftverlust gerne überschätzen. Nicht nur, weil Inflationsängste seit Uromas Zeiten quasi zum guten Ton gehören. Psychologen haben gezeigt: Wird etwas teurer, spüren wir das stärker, als wenn’s billiger wird. Vor allem aber fällt bei Waren, die man oft kauft, jede Preisänderung besonders auf: Benzin und Lebensmittel prägen das Empfinden daher viel mehr als die stabile Miete oder der günstige Flachbild-Fernseher.

Nun ist aktuell zum Beispiel Gemüse deutlich billiger als vor einem Jahr, der dramatisch abgestürzte Ölpreis bringt an der Tanke extrem billigen Sprit. Für die „gefühlte“ Teuerung, die mit überzogener Gewichtung oft gekaufter Waren berechnet wird, ergibt sich: minus 1,2 Prozent. „Das hat es seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr gegeben“, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei Unicredit.

Die nach normalen Regeln ermittelte Teuerung ist fast verschwunden, im Dezember lag sie bei nur noch 0,2 Prozent (Details im Schaubild: destatis.de). Und fürs ganze Jahr 2014 meldet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jetzt 0,9 Prozent.

Die tariflichen Monatsverdienste in Deutschland sind im Jahr 2014 aber um durchschnittlich 3,1 Prozent gestiegen, wie ebenfalls das Statistische Bundesamt errechnet hat. Also haben die Beschäftigten real mehr Geld in der Tasche. Und 2015 fängt da auch gut an: „Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten unter null sinken“, erwartet Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Moment mal – negative Teuerung? Das wäre auf Dauer ja auch nix Gutes! Lange auf breiter Front sinkende Preise könnten die Wirtschaft abwürgen, weil dann sozusagen jeder mit jedem Einkauf wartet, bis es noch billiger wird. Ökonomen nennen so was „Deflationsspirale“ (dazu gehören in der Theorie sogar sinkende Entgelte).

Von so etwas ist Deutschland aber nach Einschätzung der meisten Experten weit entfernt: Die knapp 30 für den „Consensus Forecast“ befragten Banken und Forschungsinstitute erwarten fürs gesamte Jahr 2015 eine Inflation von 0,7 Prozent.


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