Leitartikel

Die Inflation ist tot – und keiner freut sich richtig

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Mit der Wirtschaft ist es wie mit der Gesundheit: Wir reden viel darüber, wo es gerade zwickt und zwackt – und nehmen nur beiläufig wahr, wo es gut geht. Um nur anderthalb Prozent sind 2013 die Preise gestiegen. Damit stand in 14 der letzten 20 Jahre bei der Teuerungsrate eine Null oder Eins vor dem Komma. Voraussichtlich ist das auch 2014 so.

Es ist zweifellos eine Ursache dafür, dass die Deutschen laut Meinungsforschungsinstitut Allensbach so entspannt nach vorn schauen wie seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr. Die Zeiten, in denen Löhne und Preise um die Wette liefen, sind vorbei. Und die Arbeitnehmer fahren dabei nicht schlecht, wie das von den Gewerkschaften getragene Forschungsinstitut WSI jetzt wieder in seiner jährlichen Tariflohn-Bilanz vorrechnete.

Aber das Inflationsthema deshalb abhaken? Womöglich kriegen wir ja eines Tages Deflation, also einen Teufelskreis von fallenden Preisen, Kaufzurückhaltung und wirtschaftlichem Niedergang. Oder aber die Preise galoppieren irgendwann doch wieder los, weil der Staat, so tückisch wie er ist, dadurch die Last seiner Schulden drücken könnte. Vor beidem wird gewarnt, seit Jahren. Wir leiden weiter – an Phantomschmerz!

Okay, es sind auch die Sparzinsen deutlich gesunken, sogar unter die Inflationsrate. Für die Altersvorsorge muss man deshalb mehr tun. Keine Frage, das tut weh. Aber man sollte eben zugleich sehen, was sich gebessert hat. Erstens haben die niedrigen Zinsen den Betrieben geholfen, in Arbeitsplätze zu investieren. Und zweitens spart der Staat vorübergehend Geld beim Schuldendienst. Sonst hätte die Große Koalition gleich zum Start richtig schmerzhaft die Steuern erhöht.


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