Zoff um EEG-Umlage

Die Industrie zahlt kräftig mit für Wind- und Sonnenstrom


Frankfurt. Das Thema bewegt die Republik: Die Ökostrom-Förderung wird immer teurer, ab Januar zahlt ein typischer Haushalt schon wieder 5 Euro mehr im Monat, ein Ende ist nicht in Sicht. „Strom-Wut“, schreibt „Bild“ in riesigen Lettern. „Jetzt zahlen wir die Zeche für die Energiewende.“

Was untergeht: Auch die Industrie zahlt kräftig mit für Wind- und Sonnenstrom. Zwar sind viele Großverbraucher von der „EEG-Umlage“ (das Kürzel steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz) ausgenommen. Doch was bei einem typischen Mittelständler los ist, berichtet Dieter Krusche, Geschäftsführer des Automobilzulieferers Autoneum Germany im hessischen Rossdorf-Gundernhausen.

Komplizierte Härtefall-Regelung

Das Licht in der Pause ausschalten, Pumpe abstellen, Maschine runterfahren: Strom sparen ist für die 250 Autoneum-Mitarbeiter oberstes Gebot. Trotzdem lässt das Thema Energie der Firma keine Ruhe: 400.000 Euro EEG-Umlage sind für 2011 fällig; 2013 werden es 47 Prozent mehr sein. „Das trifft uns hart“, sagt ­Geschäftsführer Krusche. Auf den Kosten bleibt er sitzen, denn der Endpreis für seine Produkte ist fix.

Autoneum produziert spezielle Akustikbauteile, die bei Daimler, BMW & Co. für eine leise Fahrt sorgen. Der teure Strom wird für das Unternehmen zum immer größeren Problem: „Bei den Preisen sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig“, bilanziert Krusche.

Jede fünfte deutsche Firma, so eine Umfrage der Kölner Beratungsfirma IW Consult, sieht durch steigende Energiekosten ihre Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr.

Was Krusche ärgert: Eigentlich wäre Autoneum von der  EEG-Umlage befreit. Weil die Verarbeitung von Kunststoffgranulat viel Energie frisst und das stromintensive Unternehmen damit unter eine Härtefall-Regelung im Gesetz fällt. Knapp 90 Chemie-Standorte nehmen sie in Anspruch.

Das geht aber nur, wenn man nachweislich Strom spart. „Das tun wir“, sagt Horst Vogel, Energiemanager bei Autoneum. „Im Vergleich zu 2008 verbrauchen wir 25 Prozent weniger!“ Aber: Die Tücken liegen im Detail.

Chemie zahlt 2013 800 Millionen Euro

Eine Zertifizierungsstelle muss die „systematische Reduzierung des Energieverbrauchs“ nach internationalen Standards begutachten. Doch der Sachverständige wurde krank. Und stellte das Zertifikat erst später aus. Die Folge: Das Datum passt nicht mehr, Antrag abgelehnt. Krusche klagt nun vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt.

Besorgt ist auch der Vorstandsvorsitzende von Kunststoff-Hersteller Renolit in Worms, Michael Kundel. 3,7 Millionen Euro muss die Unternehmensgruppe für das EEG in Deutschland 2011 berappen, 2013 bereits 6 Millionen. „Das entspricht mehr als 100 hochbezahlten Arbeitsplätzen“, so Kundel. Zwar seien die reinen Stromkosten von 2008 bis 2012 nur um 4 Prozent gestiegen. Doch am Ende zahle Renolit mit Stromsteuer, Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung, Konzessionsabgabe und EEG-Umlage nun fast 50 Prozent mehr. „Das Geld fehlt für Investitionen“, klagt Kundel.

Und Hans-Ulrich Mauß, Chef von Röchling Automotive in Worms, konstatiert: „Es kann nicht sein, dass eine Kilowattstunde in Deutschland mit 11,39 Cent in Rechnung gestellt wird und in Frankreich mit 6,89 Cent.“

Insgesamt kostet das EEG die bundesweit 2.000 Chemie-Firmen dieses Jahr 550 Millionen Euro. 2013 werden es 800 Millionen sein.

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