Rating-Agenturen

Die idealen Sündenböcke


Daumen runter: Rating-Agenturen bewerten Staaten schlechter, wenn nötige Reformen ausbleiben. Foto: dpa

Die ungeliebten Prüfer sind besser als ihr Ruf

Köln. Ein Wort wie Donnerhall: Man befinde sich fast schon in einem „Währungskrieg“, warnte Elmar Brok, CDU-Abgeordneter im EU-Parlament. Politiker in ganz Europa reagierten ähnlich empört auf eine Entscheidung der Rating-Agentur Standard & Poor‘s.

Die Amerikaner, die regelmäßig die Zahlungsfähigkeit von Nationen bewerten, hatten die Kreditwürdigkeit von neun Euro-Staaten herabgestuft – darunter Frankreich. Wie bei Privatleuten gilt: Schlechtere Bonität bedeutet höhere Kreditzinsen. Treiben also US-Ratings die Zinsen für Europas Staatsanleihen hoch?

„Das stimmt nicht“, sagt Daniel Bendel, Finanzmarkt-Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Die Rating-Agenturen sollen als Sündenböcke für Fehler der Staaten herhalten.“ Deren mangelnde Bereitschaft zu Reformen und maßlose Verschuldung hätten in der Vergangenheit die Zinsen verteuert.

„Diese strukturellen Probleme der Staaten haben die Rating-Agenturen lediglich registriert und in ihre Bewertung einbezogen“, sagt Bendel. Dadurch hätten sie auch den Druck auf die Regierungen zu nötigen Reformen verstärkt. Mit überraschendem Ergebnis. „Nach der jüngsten Herabstufung sind die Zinsen für Staatsanleihen sogar gesunken.“

Denn auf den Finanzmärkten hat sich etwas entscheidend verändert. „Lange lebte man in Europa in dem Glauben, alle Länder könnten sich zu gleichen Zinsen verschulden. Jetzt aber sehen die Marktteilnehmer viel genauer hin und belohnen Länder, die nachhaltige Reformen durchführen.“

Gesetze verpflichten zu sicheren Anlagen

Zurzeit bieten die großen Anleger sogar mehr Geld an, als die Staaten nachfragen. Frankreich, Italien und Spanien – wie schon seit längerem auch Deutschland – können sich daher günstiger verschulden. Für das nach wie vor vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland dagegen steigen die Zinsen weiter.

Doch warum sind die Ratings so wichtig? „Weil die institutionellen Anleger nicht nur in Deutschland gesetzlich verpflichtet sind, sich danach zu richten“, erklärt Bendel. „Wenn zum Beispiel ein Rentenfonds besonders sicher sein soll, darf er nur in bestimmte Anlageklassen investieren.“ Das gelte für Staatsanleihen und Aktien von Unternehmen, die sich ebenfalls dem Urteil der Rating-Agenturen stellen müssen.

Wie wirksam diese Urteile sind, zeigte sich gerade in Spanien. Nur drei Tage nach der Herabstufung berief Ministerpräsident Mariano Rajoy eilig eine Pressekonferenz ein. Dort versprach er, bis Mitte Februar weitere Sparmaßnahmen vorzulegen.


Info: EU-Agentur

Der Markt der Rating-Agenturen wird von den drei amerikanischen Anbietern Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch dominiert. Noch in diesem Jahr aber soll ein europäischer Wettbewerber seine Arbeit aufnehmen, unter Federführung des deutschen Beratungsunternehmens Roland Berger. Geplant ist eine gemeinnützige, unabhängige Stiftung.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang