Vom Schwarzwald nach Mekka

Die größte Turmuhr der Welt kommt aus Deutschland


Mehr zum Thema:

Das höchste Gebäude der Welt ist der Burj Khalifa in Dubai. Aber dieser Rekord soll schon bald überboten werden. Und wo gibt’s das längste, teuerste oder schmalste Gebäude? Den schrägsten Rekord hält übrigens ein Bau in Deutschland …

Calw. „Manchmal kann ich es selbst noch nicht glauben“, sagt Johannes Perrot und lacht. Gedankenversunken blickt er auf das Foto. Es zeigt einen 601 Meter hohen Turm mit der größten Uhr der Welt. „Dann muss ich mich zwicken. Stimmt’s oder stimmt’s nicht?“

Es stimmt. Seine Firma, ein 30-Mann-Betrieb aus Calw, hat diese gigantische Turmuhr gebaut. Durchmesser: 43 Meter. In der Pilgerstadt Mekka (Saudi-Arabien) zeigt sie in vier Richtungen die Zeit an und ist sogar noch in acht Kilometern Entfernung ablesbar, selbst im Dunkeln.

Der Riesenauftrag beschäftigt den Calwer Betrieb seit sechs Jahren. „Derzeit arbeiten wir noch am Blitzschutz und der Solaranlage“, erklärt Johannes Perrot, der den Betrieb in fünfter Generation zusammen mit seinen beiden Brüdern führt. Indes ist die Firma in eine nagelneue Halle umgezogen – „wir brauchten einfach mehr Platz“, schmunzelt der Geschäftsmann. Die Fläche hat sich auf 1.600 Quadratmeter verdoppelt, die Belegschaft ist um zwei Mitarbeiter gewachsen.

Der Auftrag für die „Makkah-Clock“ habe geholfen, den Auslandsanteil von 5 auf etwa 30 Prozent zu steigern. „Wir nehmen vor allem solche Länder ins Visier“, sagt Perrot, „in denen Geld vorhanden ist und Qualität geschätzt wird.“ Für Kunden in arabischen Ländern sei es wichtig, mit einem Familienunternehmen zu tun zu haben: „Die wollen uns und unsere Frauen kennenlernen, legen viel Wert auf Tradition“, schwärmt er.

Im Geschäft mit dieser Region gibt es aber auch Hürden. In die Stadt Mekka beispielsweise dürfen nur Muslime. Die Perrots mussten deshalb ein türkisches Partnerunternehmen mit der Montage beauftragen – und die Abläufe über Telefon, Skype und E-Mail koordinieren.

Bevor es so weit war, arbeiteten die Mitarbeiter in Calw auf Hochtouren. So prüften sie einen der Antriebe ein ganzes Jahr lang auf Herz und Nieren, indem sie den Wind und andere Einflüsse simulierten. Dann nahmen sie ihn wieder auseinander und suchten akribisch nach Verschleißspuren.

Indes hatte Johannes Perrot auch mit ungeahnten Herausforderungen zu tun: „In Saudi-Arabien ist das ganze Versicherungswesen völlig anders“, schildert er. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich einen Vertrag für die Absicherung von Transport und Montage hatte.“

Endlich vor Ort war Millimeterarbeit gefragt – damit die Zeiger, die je 7,5 Tonnen wiegen, auch bei schlechtem Wetter nicht aneinandergeraten. Mit Herzklopfen verfolgten die Uhrenbauer aus der Ferne die entscheidenden Momente der Bauphase.

Die Stärke der Uhrenfabrik liege darin, alles aus einer Hand anzubieten. „Auch wenn wir nicht alles selbst machen“, sagt der Unternehmer. „Wir bauen uns dann ein Netzwerk mit anderen Betrieben auf, das können wir gut.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang