Sparen mal anders

Die gesetzliche Rentenversicherung zur Geldanlage nutzen – jetzt ab 50 Jahren möglich

Neuerdings können schon ab 50-Jährige zusätzlich freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen – und dafür kassieren sie später umso mehr Rente. Für wen sich das lohnen kann, erklären wir hier.

Sparschwein-Schlachtung: Ist im Alter noch genug für mich drin? Foto: Fotolia

Sparschwein-Schlachtung: Ist im Alter noch genug für mich drin? Foto: Fotolia

Berlin. Jeder kennt’s von seinem Lohnzettel: Auf dem Weg vom Brutto zum Netto geht ein ziemlicher Haufen Geld an die Rentenversicherung. Was zwangsweise abgeführt wird, dürfte aber nicht reichen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern, man muss also zusätzlich vorsorgen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, darunter eine, die kaum einer kennt: zusätzliche freiwillige Einzahlungen in – die Rentenkasse.

Klingt erst mal verrückt, kann sich aber im Einzelfall durchaus lohnen. Deshalb sprechen viele Finanzberater von einem „Rententrick“. Und der geht so: Man nutzt die Möglichkeit, der Rentenversicherung sogenannte Ausgleichsbeiträge zu zahlen. Das geht bisher erst mit 55, ab Juli 2017 dann schon mit 50 Jahren.

Solche Beiträge sind eigentlich dazu gedacht, Abschläge bei einem verfrühten Rentenbeginn ganz oder teilweise auszugleichen. Der Trick: Arbeitet man einfach bis zum normalen Rentenbeginn weiter, gibt’s entsprechend mehr Rente.

Das lohnt sich allerdings nur, wenn man ziemlich alt wird. „Wer zum Beispiel heute eine Ausgleichszahlung von 8.500 Euro leistet, bekommt dafür später etwa 36 Euro mehr Rente im Monat“, erklärt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Damit hätte man die 8.500 Euro erst nach knapp 20 Jahren Rentner-Dasein wieder reingeholt, und zwar ohne Zinsen.

In der Praxis sieht es aber besser aus: Die Renten steigen ja weiter! Für die heute per Sonderzahlung gesammelten Extra-Rentenpunkte bekommt man später also tatsächlich mehr als die 36 Euro, mit denen jetzt amtlich gerechnet werden muss. „In den neuen Bundesländern lohnen sich Ausgleichszahlungen am meisten“, betont Manthey, „dort steigen die Renten in den kommenden Jahren voraussichtlich stärker als im Westen.“

Außerdem verringern Rentenbeiträge die Steuerlast, das gilt auch für die freiwilligen Ausgleichsbeiträge. Es kann daher sinnvoll sein, so eine Sonderzahlung auf mehrere Jahre zu verteilen. Andererseits muss man die Rente selbst später versteuern – und sie ist krankenkassenbeitragspflichtig.

Letztlich geht es, wie bei jeder Rentenversicherung, um eine Art ganz persönliche Wette auf ein möglichst langes Leben. Dabei sind Frauen im Vorteil, weil sie eine längere Lebenserwartung haben. Heute 65-jährige Damen leben laut Statistischem Bundesamt im Schnitt (!) noch 25, Männer noch 21 Jahre.

Zumindest ostdeutsche Frauen sollten sich den Trick mit dem Renten-Sparschwein also ruhig mal näher ansehen. Auch für sie gilt aber: Wer sich für eine Ausgleichszahlung entscheidet, geht ein Risiko ein – stirbt man früh, hat sich die Sache nicht gelohnt. Übrigens kann ein Ausgleichsbeitrag nicht mehr zurückgefordert werden, wenn man es sich doch anders überlegt.


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