Was hilft gegen Niedriglohn?

Die Gefühlswelt der Kritiker, mal bis zu Ende gedacht…

Wer den „Niedriglohn-Sektor“ wieder eindämmen möchte, der seit einigen Jahren in Deutschland anwächst und die Gemüter bewegt, der hat (realistisch und auch etwas ironisch betrachtet) drei Optionen:

  • Option eins: möglichst viele Geringqualifizierte in Arbeitslosigkeit halten oder aus niedrig entlohnter Tätigkeit in Arbeitslosigkeit bringen. Der von Gewerkschaften geforderte Mindestlohn von 8,50 Euro dürfte gemäß verschiedener Studien schon mal gut und gerne eine Million Arbeitsplätze kosten.

    Kontraproduktiv im Sinne von Option eins ist ein allzu leistungsfähiger Arbeitsmarkt: In den können erfahrungsgemäß Problemfälle vergleichsweise leicht integriert werden, sodass der Anteil der Niedriglohn-Beschäftigten steigt. In Bayern etwa ist er höher als in Schleswig-Holstein.
  • Wer ganz auf Nummer sicher gehen und bei den Niedriglöhnen Tabula rasa machen will, muss sich für Option zwei starkmachen: drastische Eindämmung aller Lohnunterschiede – das dann aber ruhig auf niedrigem Niveau. Das klingt merkwürdig? Es hat mit der gängigen Definition von Niedriglohn zu tun.

    Als Geringverdiener gilt nämlich, wer weniger als zwei Drittel des „mittleren Einkommens“ verdient – also jenes Einkommens, das von genauso vielen Menschen über- wie unterschritten wird. Würden alle Löhne und Gehälter auf 8,50 Euro pro Stunde festgesetzt, wäre definitionsgemäß Schluss mit Niedriglohn. Auch eine begrenzte Lohnspanne von 7 bis 10 Euro würde diesen Zweck erfüllen. Umgekehrt gibt es bei größerer Spreizung definitionsgemäß immer einen Niedriglohn-Sektor – selbst in einem Land voller Einkommensmillionäre.
  • Aus diesem Befund folgt unmittelbar Option drei: den Niedriglohn-Sektor vernünftig definieren. Also ihn nicht mehr in Relation zum Gesamtgefüge festlegen, sondern mit Blick auf die tatsächliche Kaufkraft des betroffenen Arbeitnehmers.

    Man könnte zum Beispiel festlegen: „Ein Geringverdiener ist jemand, der trotz Vollzeit-Job maximal 10 Prozent mehr hat als ein Hartz-IV-Empfänger.“ Das würde die Niedriglohn-Debatte total verändern. Denn viele der heute Betroffenen wären auf einen Schlag keine mehr.

Allerdings: Wirklich helfen würde dem einzelnen Niedriglöhner weder Arbeitslosigkeit noch lohnpolitische Gleichmacherei noch eine Reform der Begrifflichkeit. Sondern Aufstieg!

Dazu zwei Fakten: Jährlich schafft jeder vierte Niedriglöhner den Sprung in die Normalverdienstzone – von den Arbeitslosen gelingt das nur jedem achten.

 


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