Unternehmensnachfolge: Existenzieller Schritt für mittelständische Betriebe

Die Führung langsam weitergeben: Vacom zeigt, wie’s klappen kann

Bald nach dem Mauerfall hat die Physikerin Ute Bergner Vacom gegründet. Heute ist diese Firma nahe Jena ein Marktführer in der Vakuumtechnologie – und Bergner gibt die Verantwortung Schritt für Schritt an ihren Sohn ab.

Erfolgreiche Gründerin: Ute Bergner und Sohn Jens mit dem Rohling einer Vakuumkammer. Foto: Schroll

Erfolgreiche Gründerin: Ute Bergner und Sohn Jens mit dem Rohling einer Vakuumkammer. Foto: Schroll

Made in Thüringen: Schweißarbeiten an einer Ultrahochvakuum-Kammer. Foto: Werk

Made in Thüringen: Schweißarbeiten an einer Ultrahochvakuum-Kammer. Foto: Werk

Nachwuchskraft: Mauricio Tilz misst ein Bauteil an einer CNC-Fräse. Foto: Schroll

Nachwuchskraft: Mauricio Tilz misst ein Bauteil an einer CNC-Fräse. Foto: Schroll

Großlöbichau. Freiheit und Selbstbestimmung: Das sind Konstanten im Leben von Ute Bergner. Deshalb hat sie ihr Unternehmen Vacom gegründet, nach diesen Prinzipien führt sie es – und so übergibt sie es an ihren ältesten Sohn.

In dem Metall- und Elektro-Betrieb in Großlöbichau (bei Jena) gelingt, was nicht mehr selbstverständlich ist: eine Nachfolge unter Verwandten. Das Institut für Mittelstandsforschung schätzt, dass pro Jahr 27.000 Familien- firmen übergeben werden, nur 54 Prozent davon innerfamiliär. Die Sache betrifft Millionen Jobs: Bei etwa jedem dritten Mittelständler ist der Inhaber 55 oder älter.

Vacom, Markt- und Innovationsführer in der Vakuumtechnologie, zeigt, wie es klappen kann. „Ich wollte meinen Kindern nie die Last aufbürden, dass sie erhalten müssen, was ich gegründet habe“, sagt Ute Bergner (59). „Ich habe ihnen freie Wahl gelassen.“

Die promovierte Physikerin hatte bis zum Mauerfall an der Uni Jena gearbeitet, danach für einen Vakuumtechnik-Hersteller. 1992 gründete sie mit einem Kompagnon Vacom.

Jens Bergner, heute 35, war damals 11. Er erinnert sich: „Wir haben jeden Tag am Abendbrottisch über die Firma geredet.“ Aber: „Meine Eltern haben mich zu nichts gedrängt.“ Zu seinem Einstieg in die Firma kam es auf Umwegen, nach krankheitsbedingtem Abbruch des Studiums begann er – ein Praktikum. Bald faszinierten ihn die Produkte rund um Erzeugung und Nutzung eines Vakuums: Technik, die in Teilchenbeschleunigern oder Röntgenröhren genauso zum Einsatz kommt wie bei der Beschichtung von Brillen.

Es folgte eine Ausbildung im Betrieb, nach Zwischenstationen übernahm der Junior 2011 als operativer Geschäftsführer Verantwortung fürs Tagesgeschäft und 2017 auch für alles Kaufmännische.

Die Ausbildung sei eine coole Chance gewesen, sagt Jens Bergner. Für alles danach gelte: „Wenn ich einen Weg einschlage, hängt daran eine Verpflichtung.“ Nicht zuletzt gegenüber der Belegschaft, Mittelstand bedeutet Eigentum und Verantwortung in einer Hand. Vacom ist seit seinem Einstieg von kaum 50 auf 180 Mitarbeiter gewachsen, Tendenz: weiter steigend.

Nach wie vor kümmert sich die Gründerin in erster Linie selbst um Forschung und Entwicklung, ihr Sohn um alles, was eher kurzfristige Entscheidungen erfordert. Jens sei eben nicht ihr Klon, sagt Ute Bergner. So werden auf Dauer wohl Familienfremde einige ihrer Aufgaben übernehmen.

Die dritte Generation gibt es schon, Jens Bergner hat drei kleine Kinder. Aber er will da nach den gleichen Prinzipien handeln wie seine Mutter: Freiheit und Selbstbestimmung. „Meine Kinder spielen jetzt erst mal – alles andere werden wir sehen.“


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