Kaufkraft

Die ewige Angst vor Inflation kann man fürs Erste einfach mal vergessen


Köln. Irgendwie sind wir ja schon Schisser. Es ist, als hätte sich die brachiale Geldentwertung, die unsere (Groß-) Eltern nach den Weltkriegen ertragen mussten, in die Gene geprägt: Regelmäßig geben fünf bis sechs von zehn befragten Bundesbürgern „große oder sehr große Angst“ vor steigenden Preisen zu Protokoll.

12 Jahre mit weniger als 2 Prozent Teuerung gab es seit der Einheit

Und das praktisch unabhängig von der aktuellen Lage – die kaum zu Besorgnis Anlass gibt! 2012 sind die Preise um genau 2 Prozent gestiegen. Dann ging die Teuerung sogar noch zurück: Im März 2013 lag der Kaufkraft-Verlust nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts bei 1,4 Prozent.

Das heißt: Alles, was man so bezahlt, von Äpfeln und Kaffee über Kühlschränke, Reifen und Trinkwasser bis zur Kinokarte und der Handy-Flatrate – alles war im Schnitt, der nach Bedeutung der Waren gewichtet ist, 1,4 Prozent teurer als im März 2012. Viele Löhne sind deutlich stärker gestiegen.

Die Politik hat uns da einen kleinen Sondereffekt beschert: Die Abschaffung der Praxisgebühr hinterlässt auch in der Inflationsrate Spuren (beim Posten „ärztliche Dienstleistungen“). Strom dagegen kostet viel mehr als vor Jahresfrist. Die Mieten wiederum sind, trotz mancher Horror-Schlagzeile aus den Metropolen, insgesamt nach wie vor stabil. Wer sich für solche Details interessiert, also die Zusammensetzung des statistischen Warenkorbs, kann sich im Netz unter bit.ly/Warenkorb (Großschreibung beachten!) schnell und kostenlos schlaumachen.

Auch auf absehbare Zeit werden wir wohl gut davonkommen. Die fünf „Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat der Regierung rechnen laut aktueller Prognose mit 1,7 Prozent Inflation für das ganze Jahr 2013. Mit 1,8 Prozent Teuerung lagen die 29 für den Londoner „Consensus Forecast“ befragten Banken und Forschungsinstitute im März leicht darüber. Für 2014 prognostizierten sie 2 Prozent – im Schnitt, die Spannweite reicht von 1,5 bis 2,8 Prozent.

Selbst die größten Pessimisten der deutschen Fachwelt rechnen also nicht mit dramatischen Änderungen. Es bleibt zum Glück: langweilig. So wie schon in den letzten beiden Jahrzehnten, als erst die Bundesbank und dann die Europäische Zentralbank (EZB) die Lage ganz gut im Griff hatten.

Etwas Kaufkraft-Verlust ist offiziell erwünscht

Seit dem Abflauen des Booms nach der Wiedervereinigung lag die Teuerung zwölfmal unter 2 Prozent – und nie höher als 2,6 Prozent im Jahr 2008. Etwas unter 2 Prozent ist das offizielle EZB-Ziel, damit die Wirtschaft rundläuft.

Sorgen hätte man sich da 2009 machen können, als die Inflation wegen der Krise für kurze Zeit fast zum Stillstand kam. Denn auf breiter Front sinkende Preise wären gefährlich. Weil dann jeder mit dem Einkauf wartet, bis es noch billiger wird.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Inflation Konsum

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang