Chronik

Die Einwanderung nach Deutschland


Vertreibung aus Marienbad: Sudetendeutsche machen sich 1946 auf den Weg nach Westen. Foto: dpa
Vertreibung aus Marienbad: Sudetendeutsche machen sich 1946 auf den Weg nach Westen. Foto: dpa

ab 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs müssen etwa 12 bis 14 Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene in ganz Deutschland integriert werden – die meisten von ihnen kommen aus Osteuropa.

1949

Das westdeutsche Grundgesetz wird verabschiedet, es enthält ein individuell einklagbares Asylrecht.

1955

Die Bundesrepublik Deutschland und Italien unterzeichnen das erste Anwerbeabkommen: Der Arbeitskräftemangel während des Wirtschaftswunders soll durch die befristete Zuwanderung von „Gastarbeitern“ behoben werden. Oft hausen sie anfangs in Baracken.

ab 1960

Anwerbeverträge mit Griechenland, Spanien, der Türkei und anderen Staaten des Mittelmeerraums folgen. In der DDR werden vergleichbare Abkommen geschlossen, etwa mit Polen und später mit Vietnam.

1961

Der Bau der Berliner Mauer beendet den Zustrom von Flüchtlingen aus der DDR.

Gefeierter „Gastarbeiter“: Armando Rodrigues bei der Ankunft in Köln. Foto: dpa
Gefeierter „Gastarbeiter“: Armando Rodrigues bei der Ankunft in Köln. Foto: dpa

1964

Der „einmillionste Gastarbeiter“, Armando Rodrigues aus Portugal, wird mit großem Rummel begrüßt: Er bekommt bei der Ankunft in Köln ein Moped geschenkt.

1973

Ölkrise – die Wirtschaft schwächelt und die Regierung beendet per Anwerbestopp die staatlich organisierte Zuwanderung von Arbeitskräften. Es gibt rund 2,6 Millionen „Gastarbeiter“ im Lande, der Nachzug ihrer Familien bleibt erlaubt.

1979

Heinz Kühn, der erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, fordert mehr Einsatz für die Integration der ausländischen Mitbürger – ohne politischen Erfolg. Das Kabinett beschließt zwei Jahre später: „Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Einwanderungsland.“

ab 1989

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wandern verstärkt deutschstämmige Aussiedler aus den Ostblock-Staaten ein, die gesetzlichen Anspruch auf einen deutschen Pass haben: Insgesamt werden es rund drei Millionen Menschen. Auch die Zahl asylsuchender Flüchtlinge, etwa aus Afrika und später aus dem zerfallenden Jugoslawien, steigt stark an.

Anschlag in Solingen: Vier junge rechtsextreme Brandstifter werden wegen Mordes verurteilt. Foto: dpa
Anschlag in Solingen: Vier junge rechtsextreme Brandstifter werden wegen Mordes verurteilt. Foto: dpa

1992

Die Zuwanderung erreicht ihren Höhepunkt: Rund 1,2 Millionen Menschen kommen ins Land, mehr als ein Drittel von ihnen als Asylbewerber. Es kommt zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen zum Beispiel in Rostock, bei rechtsextremen Brandanschlägen in Mölln und Solingen sterben türkische Mitbürger.

2000

Das grundlegend geänderte Staatsangehörigkeitsrecht tritt in Kraft: Hier geborene Kinder ausländischer Eltern erhalten jetzt unter bestimmten Voraussetzungen sofort den deutschen Pass – und die Einbürgerung Erwachsener wird erleichtert.

2000

Bundeskanzler Gerhard Schröder möchte per „Green Card“ IT-Experten zum Beispiel aus Indien ins Land locken. Es beginnt die bis heute anhaltende Debatte über die Notwendigkeit, den drohenden Fachkräftemangel auch per Zuwanderung zu bekämpfen.

2001

Eine unabhängige Kommission unter Vorsitz von Rita Süssmuth stellt fest: Zuwanderung ist aus demografischen und wirtschaftlichen Gründen nötig – „Deutschland ist ein Einwanderungsland“.

2008

Erstmals seit der Wiedervereinigung gibt es mehr Aus- als Einwanderer. Auch im Folgejahr ist der Saldo aus Zu- und Fortzügen negativ.

Tor für Deutschland: Cacau (unten) und Mesut Özil jubeln. Foto: dpa
Tor für Deutschland: Cacau (unten) und Mesut Özil jubeln. Foto: dpa

2010

11 der 23 Spieler, die Deutschland zur Fußball-WM nach Südafrika schickt, haben einen Migrationshintergrund.

2011

Die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU gilt jetzt mit Verspätung auch in Deutschland für die Bürger aus acht neuen EU-Staaten, darunter Polen und Ungarn – das wird von ihnen allerdings kaum genutzt.

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