Tierschutz

Die Eier werden knapp


Bodenhaltung: Jede Henne soll mindestens 750 Quadratzentimeter Platz haben. Foto: dpa

Die Hersteller von Lebensmitteln hadern mit einer EU-Richtlinie

Brüssel/Düsseldorf. Die gute Nachricht zuerst: Zumindest für Ostern sind die Regale noch voll. Jetzt die schlechte: „Großverbraucher haben zurzeit echte Probleme, sich mit Eiern einzudecken“, weiß Armin Juncker, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Großbäckereien.

In Deutschland werden die Eier knapp. Betroffen sind vor allem Hersteller von Fertig- und Tiefkühlkuchen sowie von Gebäck, etwa Bahlsen oder Coppenrath & Wiese. Aber auch Lebensmittelriesen leiden darunter, zum Beispiel die Firma Kraft Foods, die unter anderem Mayonnaise herstellt.

Bald kein Fertigkuchen mehr?

Laut Bäckerei-Verband denken einige Unternehmen darüber nach, Rezepturen zu verändern oder zeitweise ihr Sortiment zu verschlanken. Kristine Adams von Bahlsen geht noch weiter: „Es droht ein Lieferabbruch bei Eiern, der bis zum Stillstand der Produktion führen kann.“

Grund ist eine seit Jahresbeginn gültige EU-Richtlinie. Sie verbietet die berüchtigten Legebatterien, in denen die Hennen in aneinandergereihten Käfigen ihr Dasein fristen, und ­garantiert ihnen mehr Platz: 750 Quadratzentimeter. Ein Blatt von dieser Größe passt in einen Aktenordner.

In Deutschland wurde die Richtlinie schon 2009 vorzeitig umgesetzt: Das ließ den Legehennenbestand zunächst schrumpfen. Eine Eierknappheit konnte durch verstärkten Import vermieden werden.

Inzwischen stehen in den Betrieben mit 34 Millionen Tieren wieder etwas mehr Hennen als vor der Umrüstung. Zwei von dreien leben in Boden-, der Rest in Freilandhaltung oder sogar in „ökologischer“ Haltung.

Doch auch wenn eine deutsche Legehenne im Schnitt mit 320 Eiern pro Jahr eine Spitzenleistung erbringt: Ohne Import langt es nicht. „Und weil Frankreich, Belgien, Polen oder Italien die EU-Richtlinie trotz einer Übergangszeit von zwölf Jahren immer noch nicht umgesetzt haben, sind deren Eier jetzt illegal und dürfen nicht mehr verkauft werden“, erläutert Christiane Riewerts von der „Marktinfo Eier und Ge­flügel“ in Bonn.

Da jetzt im Ausland die Richtlinie zügig umgesetzt werden muss, werden auch dort die Bestände schrumpfen. „EU-weit gibt es derzeit schon 10 Prozent weniger Eier als vor einem Jahr“, berichtet Riewerts.

EU-Kommission verspricht Besserung

„Die Eierknappheit wird so schnell nicht verschwinden“, prophezeit Bäckereiverband-Chef Juncker. Denn mit der Umrüstung muss in den säumigen Ländern eine neue Legehennen-Generation heranwachsen – das dauert etwa ein halbes Jahr.

In Brüssel gibt man sich derweil selbstkritisch. Die Umsetzung solcher Regelungen in die Alleinverantwortung der Mitgliedsländer zu geben, sei nicht das Gelbe vom Ei. Laut EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli soll es künftig Aktionspläne geben, die die Kommission kontrolliert. „Ich verspreche, dass ich durchgreifen werde.“

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