Europa-Politik

Die Duschkopf-Debatte


Zankapfel Brause: Die EU verlangt, dass bald nur noch WassersparModelle verkauft werden. Fotos: MEV, Vario

Von Eurokraten, Dürre-Furcht und üblen Keimen

Brüssel. Wovon träumen EU-Kommissare, wenn sie unter der Dusche stehen? Von einem Europa, in dem es nur noch Wasserspar-Duschköpfe gibt. Ihnen schwebt eine Richtlinie vor, die den Verkauf anderer Brausen verbietet.

Achtung, warnt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI): Unsere Leitungen und Apparate sind auf einen bestimmten Durchfluss ausgelegt. „Wird dieser nicht erreicht“, sagt Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, „kann es zur Keimbildung kommen.“

„Die könnten sich da verzetteln“

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sieht gar „fatale Folgen“. Schon heute fließe zu wenig durch die Rohre – werde noch weniger durchgespült, könnten sich etwa Legionellen vermehren. Man versucht seit 2009, die Pläne zu verhindern, unter anderem durch eine von einem europäischen Dachverband eingereichte Petition. Sprecher Carsten Wagner: „Bislang ohne offizielle Reaktion.“

Indes schwärmt die EU-Kommission: Verpflichtende Standards für wasserführende Geräte könnten den Verbrauch um fast ein Fünftel senken, heißt es in ihrem Bericht zur Bekämpfung von Wasserknappheit und Dürre. Dabei hat Deutschland, anders als etwa Griechenland, gar kein Dürre-Problem. „Was wir hier verbrauchen“, so Wagner, „fällt in fünffacher Menge vom Himmel.“

Übernimmt sich Europa mit dieser Politik? Corinna Grajetzky vertritt in Brüssel die deutschen Industrie- und Handelskammern, und sie formuliert es vorsichtig: „Die Entscheidungsträger könnten sich da verzetteln.“

Sie meint nicht nur den Duschkopf. Sondern auch diverse Produkte, die sich Brüssel im Rahmen der Energiespar-Politik vorgeknöpft hat: etwa Fernseher, Fenster, Isoliermaterial und Waschmaschinen. Die EU könne die Folgen derartiger Produkt-Verbote zum Teil gar nicht umfassend abschätzen, so Grajetzky. Zudem drohe ein großer Kontrollaufwand.

Wie spart man intelligent?

Andreas Löschel, Um­weltökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW in Mannheim, übt darüber hinaus grundsätzliche Kritik: „Kleinteilige produktbezogene Regulierung ist der falsche Ansatz, um Länder zum Wassersparen anzuhalten.“

Man sollte lieber dafür sorgen, so Löschel, „dass der Wasserpreis die wirkliche Knappheit der Ressource Wasser anzeigt“. Denn anders als bei uns ist in vielen Regionen Wasser knapp. Auch Ausnahmen etwa für Bauern gehörten abgeschafft.

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