Zwischentöne

Die Diskussion über das Geld für Topmanager läuft jetzt differenzierter

Herausgeber Ulrich Brodersen

Um die Topmanager-Vergütungen war es in den letzten Jahren ruhiger geworden. Doch seit diesem Frühjahr bekommt das Thema wieder Drive. Woran liegt’s?

Während der schweren Wirtschaftskrise hatten wohl auch diejenigen andere Sorgen, die so was gern am Köcheln halten. Zudem waren 2008 die Spitzenvergütungen gesunken – in den 30 größten Aktiengesellschaften im Schnitt um ein Viertel. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann büßte gar 90 Prozent ein. Und es entspricht ja nicht dem Verständnis des typischen Systemkritikers von seiner moralischen Überlegenheit, ein Thema auch dann weiterzutreiben, wenn aus seiner Sicht gerade positive Entwicklungen zu würdigen wären.

Mit Überwindung der Krise wuchsen die Vergütungen wieder – besonders eindrucksvoll in Prozent. Sinkt ein Jahressalär von 10 auf 1 Million Euro, sind das „nur“ 90 Prozent – doch ein neuerlicher Anstieg auf 5 Millionen entspricht 500 Prozent. Damit lässt sich als Kritiker wunderbar arbeiten.

Als bekannt wurde, dass VW-Chef Martin Winterkorn 2011 mit 17,5 Millionen Euro einen neuen Spitzenwert erzielte, gab das den letzten Kick. Interessant ist, dass die Debatte differenzierter geführt wird als zuvor: Führende Wirtschaftsvertreter mahnen Maßhalten an und sprechen sich für Limits aus – und manche, die schon immer kritisierten, scheinen endlich auch auf die Performance des betreffenden Konzerns zu schauen.

Die war bei VW zuletzt nun mal herausragend. Es wurde überdeutlich, dass Vorstandsvergütungen als Beteiligung am unternehmerischen Ertrag der Eigentümer zu werten sind, also nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen: Die Beschäftigung stieg rasant, und zum guten Tariflohn gab’s eine sehr ordentliche Erfolgsbeteiligung.

Was den IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Berthold Huber die Vergütung des Konzernlenkers entspannt betrachten lässt, zumindest nicht als Ärgernis. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte sich sogar verärgert – nicht über das Geld für Winterkorn, sondern über die „unsachliche Debatte“.

Osterloh wörtlich: „Profi-Fußballer verdienen zum Teil erheblich mehr als Top-Manager. Darüber regt sich kaum jemand auf. Herr Winterkorn hat wesentlich mehr geleistet als viele Fußballer, er hat reale Werte und reale Arbeitsplätze geschaffen.“

Wie oft im Leben hängt das Urteil stark davon ab, wie nahe jemand am Geschehen ist: „Die Belegschaft ist zufrieden“, konstatiert Osterloh. „Ich habe keine einzige negative E-Mail dazu erhalten.“ 


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