Abfall-Recycling

Die Deutschen trennen fleißig ihren Müll – der Politik reicht das nicht

Nachschub: Ein Radlader kippt Müll in der Troisdorfer Sortieranlage. Foto: Straßmeier

Troisdorf. Ein Zischen, Klackern und Stampfen erfüllt die Halle mit dem riesigen stinkenden Müllberg, fette Fliegen schwirren umher. Ein Radlader bohrt seine Schaufel in den Abfallhaufen voller Verpackungsreste und kippt die Fuhre in einen Container – Nachschub für die Transportbänder der Sortieranlage von Remondis in Troisdorf.

Remondis ist Deutschlands größter Abfallentsorger. Und die Anlage im Rheinland trennt bis zu 50.000 Tonnen Abfälle im Jahr: Folien, Joghurtbecher, Weißblechdosen und all die anderen Sachen, die im gelben Sack oder in der gelben Tonne landen. „Was 1,5 Millionen Menschen rund um Bonn und Köln da wegwerfen, kommt hier an“, sagt Betriebsleiter David Schumacher.

Auch die alte Pfanne soll künftig in die gelbe Tonne

In Zukunft sollen die Entsorger noch mehr Arbeit bekommen. Die Bundesregierung will „die gelbe Tonne zur Wertstofftonne weiterentwickeln“, wie es in einem ersten Entwurf des Bundesumweltministeriums zum geplanten Wertstoffgesetz heißt. Im kommenden Jahr sollen Bundestag und Bundesrat über das Paragrafenwerk beraten. Voraussichtlich 2017 dürfte das Gesetz rechtskräftig werden.

In der Wertstofftonne sollen dann alle Haushalte zusätzlich zu den Verpackungsabfällen auch den anderen Müll aus Kunststoff oder Metall sammeln – also die alte Bratpfanne, das kaputte Bobbycar oder den ausgedienten Kleiderbügel.

Die gesetzlich verankerte Quote für die „werkstoffliche Verwertung“ allein von Kunststoffen soll von 36 auf 72 Prozent steigen. Insgesamt wird dann jeder Deutsche, so die Erwartung des Ministeriums, im Jahr rund fünf Kilo mehr Wertstoffe dem „hochwertigen Recycling zuführen“.

Derzeit werfen die Bürger 2,46 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle in den gelben Sack oder die gelbe Tonne. Das sind je Einwohner 30 Kilo. Davon werden laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung 37 Prozent werkstofflich verwertet, also recycelt.

Insgesamt produzieren die deutschen Haushalte nach Angaben des Statistischen Bundesamts pro Kopf 617 Kilogramm Müll. 47 Prozent werden recycelt, 17 Prozent kompostiert und der Rest verbrannt. Auf der Deponie landet vom Haushaltsabfall hierzulande übrigens nichts mehr.

Von den privaten Kunststoffabfällen werden 42 Prozent wiederverwertet; inklusive der Plastikflaschen sind es 58 Prozent. Abfälle aus Aluminium werden zu 90 Prozent und solche aus Weißblech zu 96 Prozent recycelt.

Verbundstoffe hingegen lassen sich nur mit extremem Aufwand trennen – und müssen daher verbrannt werden. Deshalb erwartet auch die Quietsche-Ente, die aus einer Kunststoff-Kautschuk-Mischung besteht, ein grausiges Ende.


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