Blühende Geschäfte

Die Deutschen lieben Blumen – doch der Fachhandel steht stark unter Druck


Gelsenkirchen. Es grünt, es blüht, und Blumenhändler haben bald besonders viel zu tun: Am 14. Februar ist schließlich Valentinstag – und da investieren viele Paare und Möchtegern-Paare in die farbenfrohen Zeichen der Zuneigung. Das Geld sitzt hier locker: 3 Milliarden Euro pro Jahr, 37 Euro pro Kopf, geben die Bundesbürger jedes Jahr allein für Schnittblumen aus.

Die Blumennachfrage ist seit Jahren stabil – und trotzdem machen sich bei den Fachhändlern in letzter Zeit Existenzsorgen breit: Ihre Zunft droht auszusterben. Machten im Jahr 2000 noch knapp 9.000 junge Leute, meist Frauen, eine Lehre zur Floristin, waren es 2011 nach den aktuellsten verfügbaren Daten knapp 4.000. Nur 1.500 von ihnen schlossen erfolgreich ab.

„Besorgniserregend“ findet das Helmuth Prinz, Präsident des Fachverbands Deutscher Floristen in Gelsenkirchen: „Der handwerklich-gestalterische und der kaufmännische Anspruch dieses Berufs werden unterschätzt. Ein bisschen kreativ sein, reicht nicht.“

1.600 Euro brutto verdient ein Florist im Monat

Freilich: Finanziell müssen angehende Floristen kürzertreten als ihre Azubi-Kollegen in der Indus­trie. Monatlich 500 Euro brutto bekommen sie im Durchschnitt ihrer Lehre – knapp halb so viel wie bei einer Ausbildung als Chemikant oder zu einem Metall- oder Elektro-Beruf. Als Ausgelernte verdienen sie meist um die 1.600 Euro brutto; nur in wenigen Fällen steigt der Verdienst auf rund 2.600 Euro.

Schuld ist nicht etwa Knauserigkeit der Geschäftsinhaber – sondern der Wunsch der Verbraucher nach möglichst vielen Blumen für möglichst wenig Bares. Vier von zehn Schnittblumen gehen mittlerweile mit dem wöchentlichen Lebensmittel-Einkauf übers Kassenband. Die sprießende Konkurrenz aus Bau-, Supermarkt und Discoutern trägt dazu bei, dass die Fachhändler nur noch beim Trauerflor unangefochten sind.

Und dann ist da noch das Internet. Bereits zweieinhalb Millionen Deutsche haben dort schon mal Blumen ausgesucht, meldet der Branchenverband Bitkom. So blickt zum Beispiel auch der Walldorfer Online-Versender Valentins mit Spannung auf den 14. Februar; 50 Lastwagen voller Blütenpracht werden aus diesem Anlass vom Hof der Firma fahren. „Durch viel Direktimport über den nahen Flughafen Frankfurt schalten wir Zwischenhandelsstufen aus“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Barth. „Das bringt den Blumen etwa vier Tage zusätzliches Vasenleben.“

Ach ja – und was schenkt man denn zu Valentin? Natürlich in erster Linie Rosen: Sie haben übers Jahr hinweg stolze 38 Prozent Umsatzanteil; allein eine Milliarde Stück werden aus dem Ausland importiert. Wer für Rosen nicht den Mut hat, kriegt von Floristen diesen Tipp: Auch Frühlingsvorboten wie Tulpen sind zum Valentinstag okay.

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