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Ökonom erklärt den Grund für unseren hohen Leistungsbilanzüberschuss

Die deutsche Exportstärke wird oft kritisiert – ist da was dran?

Deutschlands Betriebe exportieren jede Menge – viel mehr, als sie importieren. Ist das irgendwie unfair, wie etwa US-Präsident Trump glaubt? Und was ist eigentlich der Grund für das große Plus im Außenhandel?

Hightech-Produkt: „Made in Germany“ ist weltweit gefragt. Foto: Adobe Stock

Hightech-Produkt: „Made in Germany“ ist weltweit gefragt. Foto: Adobe Stock

Köln. Diese Zahl macht US-Präsident Donald Trump ziemlich schlechte Laune: rund 50.000.000.000 Euro – so hoch war im Vorjahr das Minus der USA beim Außenhandel mit Deutschland. Die Amis bestellten also wieder mal deutlich mehr Produkte bei uns als umgekehrt. Das „massive deficit with Germany“ empfindet Trump als irgendwie unfair, als „very bad for the US“, wie er die Welt immer mal wieder per Twitter wissen lässt.

Zigtausende einzelne Deals Tausender Unternehmen ergeben die Handelsbilanz

Professor Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln kann darüber nur den Kopf schütteln. „Trump ignoriert die Ursachen dieser Handelsbilanz“, sagt er.

Güterströme sind ja das Ergebnis Zigtausender einzelner Deals zwischen Tausenden von Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks. „Deutschland produziert sehr viele Investitionsgüter, beispielsweise Maschinen“, erklärt Grömling, „das bringt inzwischen fast 60 Prozent unseres gesamten weltweiten Exportumsatzes.“ Und dafür, dass die Qualität „made in Germany“ auch in den USA so gefragt ist, muss man sich ja wohl kaum entschuldigen.


Noch vor 20 Jahren machte Deutschland im globalen Handel ein Minus

Noch vor 20 Jahren sah das völlig anders aus! Damals schrieb Deutschland rote Zahlen in der Leistungsbilanz (in die vor allem der Außenhandel mit Waren einfließt, aber zum Beispiel auch der mit Dienstleistungen). Erst ab 2002 änderte sich das – und dann bald dramatisch. „Im Gleichlauf mit den zunehmenden weltweiten Investitionen stieg der Überschuss“, sagt der Experte, „wir sind sozusagen zum Ausrüster der Welt geworden.“ Vom Aufstieg der Schwellenländer wie etwa China haben viele deutsche Betriebe besonders profitieren können. „Und wenn das Produktionspotenzial wächst“, unterstreicht Grömling, „ganz egal wo, dann bringt das ja die Welt insgesamt voran.“

Zuletzt stagnierten die globalen Investitionen allerdings – und damit auch der deutsche Überschuss: Die Abhängigkeit unserer Wirtschaft von der exportstarken Industrie gilt eben in guten wie in schlechten Zeiten.

Und Trump? Gerade dessen teure Steuerpolitik treibt den US-Staatshaushalt ja jetzt noch viel tiefer in die Miesen. Und vergrößert automatisch das Minus im Außenhandel! „Denn die auf noch mehr Pump finanzierte noch höhere Güternachfrage bekommen die Amerikaner gar nicht aus eigener Leistung bedient“, weiß der Volkswirt. Die große Defizitzahl, die den US-Präsidenten stört, verringert sich so also nicht.

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