Leitartikel

Die demografische Katastrophe

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Das Unheil, das auf unser Land zurollt, ist schwer zu begreifen. Es entwickelt sich stetig, verteilt über Jahrzehnte, und wird deshalb von den täglichen Aufgeregtheiten überlagert. Auch am 28. April wird es wohl nur kurz Beachtung finden – wenn das Statistische Bundesamt, erstmals seit sechs Jahren, eine neue „Bevölkerungsvorausberechnung“ präsentiert.

Auf ao5.de/demografie kann man interaktiv erleben, mit welcher ungeheuren Wucht dem rohstoffarmen Deutschland seine wichtigste Ressource abhandenkommt: der Mensch. Also der tatkräftige Kollege. Der Ideenproduzent. Der freundliche Nachbar. Der kauffreudige Kunde. Der Steuerzahler. Der Geldgeber für die Rentner und Kranken.

Es geht nicht um ein paar Zehntausend. Es geht im schlimmsten Fall um rund 20 Millionen. Der Geburtenrückgang schlägt gnadenlos durch.

Und keiner soll glauben, das Sozialwesen und die Wirtschaft würden sich gemütlich zurechtschrumpfen. Die Verwerfungen durch die demografische Katastrophe können durchaus unseren Staat aus den Angeln heben.

Die Politik hat das erkannt, hier und da reagiert sie schon. Aber sie versäumt es, ihr Motiv dem Bürger zu erklären. Sie müsste ihm sagen, dass die hohe Zuwanderung der letzten vier Jahre nur der Beginn einer großen, epochalen Migrationswelle ist. Dass der Kita-Ausbau nur die erste Stufe einer Kollektivierung der Kinderbetreuung ist, weil Papa und Mama unbedingt beide in der Arbeitswelt gebraucht werden. Und ja – auch dass halt die Rente künftig später kommt.

All das wirft Fragen auf. Antworten wird unsere Gesellschaft eher finden, wenn sie den Zusammenhang begreift.


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