Starker Standort

Die Chemie stimmt in Bitterfeld


Offen Strukturen und Investitionen in Umweltschutz

Wenn Ortsfremde nördlich von Leipzig unterwegs sind und in die Stadt Bitterfeld-Wolfen einfahren, dann kommen sie aus dem Staunen nicht heraus: Idyllisch grüne Landschaften wechseln sich ab mit gewaltigen Chemie-Anlagen, neben Wohnhäusern verlaufen Rohrbrücken, dazwischen glitzern Seen.

Mit 360 Firmen und 11.000 Arbeitsplätzen ist es der größte offene Chemiepark im Osten Deutschlands. Zu DDR-Zeiten war Bitterfeld der Inbegriff von Wirtschaft zulasten der Umwelt. „Heute sind unsere zwölf Quadratkilometer Gewerbefläche weitgehend saniert“, berichtet Matthias Gabriel, Geschäftsführer bei der Standortgesellschaft „P-D Chemiepark Bitterfeld-Wolfen GmbH“.

50 neue Interessenten

Gabriel fügt hinzu: „Wir sind auch der marktwirtschaftlichste Chemiepark.“ Seine Firma besteht aus kaum 70 Mitarbeitern, die sich um Planung, Verwaltung und Neuansiedlungen kümmern. Vieles, was anderswo der Betreiber selbst macht, wird hier im Wettbewerb organisiert. Ob Energie, Wachschutz, Labor-Services oder Anlagen-Wartung: Stets bekommt der  beste  externe  Anbieter den Zuschlag.

Die Standortgesellschaft betreibt selbst nur zwei Dinge: ein 18 Kilometer langes Rohrbrückensystem, über das sich Betriebe gegenseitig im Stoffverbund mit Chlor, Salz- und Schwefelsäure und vielen weiteren Stoffen beliefern – und ein Gemeinschafts-Klärwerk, das die Abwässer sowohl der Bewohner als auch der Industrie in Bitterfeld-Wolfen aufarbeitet.

Dieses von der Anlage her größte Bio-Klärwerk Deutschlands, das bereits 1994 in Betrieb genommen wurde, hat nun die Kapazitätsgrenze erreicht. „In den vier Biohochreaktoren können gleichzeitig fast 100.000 Kubikmeter Wasser gereinigt werden“, erläutert Martin Klamt, der Klärwerksmeister. In Kürze werden nun die Bauarbeiten für ein neuartiges, 11 Millionen Euro teures weiteres Klärwerk beginnen, das die Kapazität noch einmal um 50 Prozent steigern und dabei auch noch hochwertiges Biogas produzieren wird.

„Das sind 11 Millionen Euro Investition in die Zukunft“, unterstreicht Geschäftsführer Gabriel. Er zeigt sich überzeugt: „Die Unternehmen, die hier investiert haben, denken langfristig.“ Das gilt in Bezug auf das Abwasser ebenso wie im Hinblick auf Platz. Viele Ansiedler haben längst Erweiterungsflächen dazugekauft, der noch freie Rest ist mit 1,5 Quadratkilometern nicht mehr allzu groß.

Trotz der aktuellen Finanz- und Absatzkrise sind auch weitere Neuansiedlungen im Gespräch. Gabriel hat rund 50 Projekte in Arbeit. „Nicht alles wird klappen“, sagt der Manager. „Aber ich denke, dass hier auch in den nächsten Jahren jährlich dreistellige Millionen-Beträge investiert werden.“ Seit 1990 kamen da immerhin schon 5,5 Milliarden Euro zusammen.

Tradition seit 1893

Die offene Struktur des Industrie-Standorts Bitterfeld kommt übrigens aus der Geschichte. 1893 entstand hier die erste Chemie-Fabrik. Nach und nach siedelten sich weitere Betriebe an. Die Wohnsiedlungen dazwischen blieben erhalten, und neue wurden gleich neben den Werken gebaut. Saubere Umwelt, Jobs mit Zukunft – jetzt endlich scheint es miteinander vereinbar.

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Schlagwörter: Chemie Umwelt

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