Energiewende

Die Chemie macht Öko-Strom erst möglich – doch sie wird dafür auch noch zur Kasse gebeten

Frankfurt. Eine umweltfreundliche Energieversorgung muss den Ausstoß von Kohlendioxid deutlich senken. Das erfordert neue Technologien und Maßnahmen. Diese Wende jedoch zu finanzieren, belastet die Verbraucher erheblich. AKTIV sprach mit Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie in Frankfurt.

Mögen Sie die Energiewende?

Das ist keine Frage des Mögens, sondern eine politische Gemeinschaftsaktion, die ohne die Chemie nicht gelingen kann.

Dann profitiert die Branche also kräftig davon …

Wir liefern die nötigen Materialien zu Rotorblättern für die Windkraft, Silizium für Solarzellen oder Teile für die Energiespeicherung. Da hat sich viel getan. Früher hatten Windkraftanlagen zum Beispiel eine Leistung von 300 Kilowatt, heute sind es fünf Megawatt! Aber die Entwicklung solcher Innovationen kostet erst einmal viel Geld, bevor sie auf den Markt kommen.

Das ist doch eine tolle Chance für Deutschland!

Eine Chance ja, aber gleichzeitig eine große Herausforderung. Denn wir können nicht so günstig produzieren wie die ausländische Konkurrenz. Das liegt paradoxerweise an den hohen Energiekosten, die durch die Umlagen des EEG auch noch laufend steigen. Zwar sind einige Härtefälle davon befreit, aber 90 Prozent der Chemiebetriebe zahlen kräftig mit. Das ist ein echter Standortnachteil gegenüber der Welt.

Wer macht denn dann das Geschäft?

Die deutsche Chemie ist natürlich dabei. Aber Unternehmen in den USA, China oder im Nahen Osten haben enorme Kostenvorteile bei der Energie. Dadurch könnten uns Marktanteile verloren gehen.

Was müsste sich dann in Zukunft ändern?

Die Kosten müssen sinken und gerecht verteilt werden. Denn die EEG-Umlage, die alle Verbraucher über ihre Stromrechnung bezahlen, beläuft sich bis heute bereits auf die stattliche Summe von insgesamt 120 Milliarden Euro. Das ist eine extrem teure Entwicklung, die sich so nicht weiter fortsetzen darf. Strom muss weiter bezahlbar bleiben. Wir brauchen deshalb eine grundlegende Reform des Gesetzes, die den Ausbau und die Preise wirtschaftlich und kosteneffizient gestaltet.


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