Leitartikel

Die Betriebe und das „Gedöns“

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Der Spruch hängt ihm nach, wie so mancher: Seine neue Ministerin sei „zuständig für Frauen und das ganze andere Gedöns“, witzelte einst Gerhard Schröder. Der heutigen Kanzlerin käme so was nicht über die Lippen. Familienpolitik ist längst ein Topthema, und das ist angesichts des absehbaren demografischen Desasters auch richtig.

Problematisch wird es, wenn dafür die Betriebe die Rechnung zahlen sollen. Und ihr Überlebenskampf dabei ausgeblendet wird, trotz jährlich 26.000 Firmenpleiten. Es ist ja offensichtlich die große Wunschzeit ausgebrochen – das zeigt sich nicht nur beim Mindestlohn, sondern auch bei einer diffusen familienpolitisch begründeten Arbeitszeitdebatte.

Ein führender Gewerkschafter, IG-Metall-Vize Jörg Hofmann, fasste den Zeitgeist kürzlich so zusammen: Damit sie sich um Kinder kümmern könnten, um Pflegefälle oder um andere Herausforderungen, die das Leben so stellt, bräuchten die Arbeitnehmer „mehr Souveränität über ihre Zeit“.

Und: „Das darf nicht zu einem Bettelgang für die Beschäftigten führen. Sie brauchen einen Anspruch.“ Von „reduzierter Vollzeit“ mit 30 Stunden ist die Rede, von Teillohnausgleich und Aufstockungsbeträgen.

Die Mehrbelastung der Betriebe bleibt noch im Ungefähren – aber man schiebt ihnen schon mal pauschal die Verantwortung rüber. „Ich will es mal so sagen“, so Hofmann: Die Vereinbarkeit von Job und Familie „entscheidet künftig über die Attraktivität von Arbeitgebern“.

Es ist ja erfreulich, wenn Betriebe da freiwillig vorwegmarschieren. Aber neue Auflagen würden flächendeckend die Arbeitskosten noch weiter erhöhen. Auch dieses Thema ist – kein Gedöns!


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