Damit nichts schiefläuft

Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie hat jetzt eine „Nachhaltigkeits-Offensive“ gestartet


München. Steht mein Betrieb auf festen Füßen, auch über turbulente Zeiten hinweg? Ein beispielloses, internetgestützes Projekt gibt jetzt auf diese Frage eine Antwort – just zu einem Zeitpunkt, da manche schon wieder eine neue „Krise“ fürchten. Exklusiv für ihre gut 2.000 Mitgliedsunternehmen bieten die Arbeitgeberverbände der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie seit diesem Monat einen „NachhaltigkeitsCheck“.

Sie sehen sich als Vorreiter – und hoffen auf Nachahmer in anderen Branchen und Regionen. „Eine vergleichbare Initiative gibt es nicht“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Verbände bayme und vbm. Und betont: „Die Anregung kommt direkt aus unserer Mitgliedschaft.“

Wissenschaftliche Expertise

Auf einer mit Passwort geschützten Website können die Geschäftsleitungen 33 einfache Fragen aus den Kategorien Ökonomie, Soziales und Ökologie beantworten – und sich sofort ihren „Nachhaltigkeitsstatus“ anzeigen lassen. Die Verbände garantieren Anonymität. Hinter dem Test steckt viel Expertise: Entwickelt wurde er vom Lehrstuhl für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München.

Dessen Leiter, Professor Christoph Kaserer, sieht darin ein Riesenthema. „Nach unserer Erfahrung ist vor allem der industrielle Mittelstand von jeher besonders stark auf Nachhaltigkeit ausgerichtet“, sagt er. „Dafür sorgen in der Regel starke Eigentümer – beispielsweise Familien, die ein ausgeprägtes persönliches Interesse am langfristigen Wert - erhalt ihres Unternehmens haben.“

Damit die Teilnehmer ihren „Status“ einordnen können, entwickelten die Münchner Wissenschaftler auch einen Vergleichsmaßstab: das durchschnittliche Test-Ergebnis sämtlicher börsennotierter Unternehmen aller Branchen in ganz Deutschland (außer Banken und Versicherungen), in mühevoller Kleinarbeit aus öffentlich zugänglichen Daten ermittelt. Zusätzlich soll es, wenn erst einmal genügend Unternehmen mitgemacht haben, auf der Basis der anonymisierten Angaben einen „Nachhaltigkeits-Index“ für die bayerische Metall- und Elektro-Industrie geben.

Qualifizierung und Workshops

Flankiert wird das Projekt von einer Neuheit in Sachen Bildung: In Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München bietet das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft eine sechsmonatige Qualifizierung zum „Nachhaltigkeitsberater“. Angekündigt sind überdies Workshops und Netzwerk-Zirkel für die Mitgliedsunternehmen.

Fazit: Wer immer noch der Vorstellung anhängt, im Wirtschaftsleben werde bloß auf die „schnelle Mark“ geschaut, der liegt offensichtlich gewaltig schief. Die Nachhaltigkeits- Offensive, so formuliert es Brossardt, unterstützt nur das, „was traditionell in den Genen bayerischer Unternehmen liegt“.


„Wir schauen auf die Fakten“

Wie macht man Nachhaltigkeit konkret? Professor Christoph Kaserer von der Technischen Universität München erklärt den Internet-Test, den sein Lehrstuhl für die bayerischen Arbeitgeberverbände bayme und vbm entwickelt hat.

Interview 

AKTIV: Was ist das Neue am „NachhaltigkeitsCheck“?

Kaserer: Die bisherigen Tools sind auf börsennotierte Großunternehmen ausgerichtet – und sie verwenden häufig sehr vage Kriterien. Wir zielen auf den Mittelstand. Und schauen auf die Fakten: mit 33 einfachen Fragen, die sich objektiv beantworten lassen.

AKTIV: Und worum geht es dabei, auf den Punkt gebracht?

Kaserer: Dass Unternehmen vorausschauen – in ihrem Geschäft, in ihrer Personalpolitik und beim Ressourcenverbrauch. Nicht als Dienst an der Menschheit. Sondern im eigenen wirtschaftlichen Interesse.

AKTIV: Macht Nachhaltigkeit erfolgreicher?

Kaserer: Es gibt Studien, die das vermuten lassen.

AKTIV: Beim Thema Umwelt gibt ja schon der Staat strenge Spielregeln vor. Reicht es nicht, die einzuhalten?

Kaserer: Es steckt schon die Idee dahinter, dass man nicht allein auf gesetzliche Standards schaut. Umweltschutz ist ein Megatrend – wer sich hier als Vorreiter profiliert, hat bessere Absatzchancen. Aber auch hier gilt: Nachhaltigkeit kann nur dann eine sinnvolle Orientierung sein, wenn sie im Einklang steht mit effizientem Wirtschaften und Gewinnstreben.

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Info: Nachhaltigkeit

Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft: 1713 empfahl Hans Carl von Carlowitz in einem Lehrbuch die „continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung“ der Wälder, um „große Noth“ an Holz zu vermeiden.

Heute liefert Google zu „Nachhaltigkeit“ elf Millionen Einträge. Das Thema wird auch von Versicherungen und Pensionsfonds gepusht: Damit das Geld ihrer Kunden in der Wirtschaft gut angelegt ist, drängen sie dort auf „nachhaltige Unternehmensführung“.

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