Flieger-Frust in Frankfurt

Deutschlands größter Flughafen leidet unter dem Nachtflugverbot


Landeanflug: Die Lufthansa dünnt schon die Zahl der Verbindungen aus. Foto: dapd

Frankfurt. Die vielen Demos der Fluglärmgegner in der Abfertigungshalle, mit Kindern und Plakaten, blieben nicht ohne Wirkung. Seit das Bundesverwaltungsgericht im Oktober 2011 ein Nachtflugverbot für Frankfurt verhängte, herrscht von 23 bis 5 Uhr Ruhe an Deutschlands größtem Airport.

In der Luft jedenfalls. Am Boden aber kommt es nachts zu tumultartigen Szenen. „17.000 Fluggäste sind seit Oktober in Frankfurt gestrandet“, sagt Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseverbandes. Die meisten hatten schon angeschnallt im Flugzeug gesessen. Doch immer wieder müssen Maschinen zur Parkposition zurückrollen. Wenn sie nur eine Minute nach elf die Startbahn erreichen, verweigern die Fluglotsen das „Go“.

Verluste auch beim Frachtgeschäft

Das Flugverbot wird so zum logistischen Problem. „Wir haben ständig Hunderte Hotelbetten reserviert“, sagt Jan Bärwalde von der Lufthansa. Denn 70 Prozent der Passagiere steigen hier nur um: Frankfurt zählt zu den großen europäischen Luft-Drehkreuzen.

Die ersten Airlines reagieren. Als Konsequenz auf die knallharte Zeitgrenze rollt die letzte Langstrecken-Maschine der Lufthansa inzwischen statt um zehn vor elf schon um viertel nach zehn zum Start. Wer das nicht weiß, schaut in die Röhre – und die Zeit am Drehkreuz wird für viele höllisch knapp. „Wir haben 112 Flüge pro Woche zeitlich vorverlegt und weitere 28 gestrichen“, berichtet Bärwalde.

Gravierend ist der Einbruch auch bei der Fracht. Allein Lufthansa Cargo erwartet „40 Millionen Euro Ergebnisbelastung im Jahr“.

Die Auswirkungen des Nachtflugverbots werden immer mehr zum Politikum. „Der Weltflughafen Frankfurt ist mit 75.000 Arbeitsplätzen Deutschlands größte Arbeitsstätte“, gibt Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, zu bedenken. Auch Zehntausende weiterer Stellen gebe es nur wegen des Airports.

Fasbender mahnt: „Der Flughafen sichert den Wohlstand in der Region.“ Und halte nicht zuletzt die Europäische Zentralbank dort.

Fotostrecke: Die größten Flughäfen Europas – nach Passagierzahlen im Jahr 2011

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