Grüne Gentechnik? Ausgebremst!

Deutschland verspielt Chancen auf einem Wachstumsmarkt


Hannover. Politiker machen mobil gegen ein Experiment im Schullabor. Dieser aktuelle Streit in Niedersachsen zeigt, wie hoch die Wellen der Empörung schlagen, wenn es um grüne Gentechnik geht.

Vier Schulen in Hannover ermöglichen es Jugendlichen, an Pflanzengenen zu forschen. Noch. Denn die neue rot-grüne Landesregierung will die Finanzierung des Projekts HannoverGen, das sogar von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde, stoppen: Es könnte eine zu positive Einstellung zur Gentechnik vermitteln. Jetzt protestieren die Schüler.

Mehrere Staaten, einschließlich Deutschland, hatten im vergangenen Jahr den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen eingestellt. Damit habe Europa den wissenschaftlichen Fortschritt vom Acker verbannt, sagen Befürworter der Gentechnik, die weltweit auf dem Vormarsch ist.

170 Millionen Hektar weltweit bepflanzt

Auf 170 Millionen Hektar rund um den Globus wuchsen 2012 neue Mais-, Baumwoll- und Rapssorten – das sind 6 Prozent mehr als im Jahr zuvor, so die Internationale Agro-Biotechnologie-Agentur. Vor allem Brasilien hat die Anbauflächen ausgeweitet.

Weil die Musik nicht in Europa spielt, verlagerte der Chemiekonzern BASF seine Sparte Plant Science kürzlich in die USA. Die Wettbewerber Syngenta und Bayer hatten sich schon vorher zurückgezogen.

Dass die Pflanzenbiotechnologie, maßgeblich in Deutschland entwickelt, hier nicht mehr angewandt wird, beklagt der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO). Auch Forschung und Entwicklung seien auf dem Rückzug: „Die Branche verliert Arbeitsplätze und der Standort Deutschland damit gut ausgebildete Nachwuchskräfte“, warnt VBIO-Präsident Professor Wolfgang Nellen.

Wie erfolgreich Deutschland in der Genforschung sein kann, verdeutlicht Professorin Christiane Nüsslein-Volhard. 1995 wurde sie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, auf dem Gebiet der Medizin. Sie sagt: „Gentechnik bietet ein noch unausgeschöpftes Potenzial für den ökologischen Landbau, für verbesserten Umweltschutz, die Erhaltung der Artenvielfalt und die Gesundheit.“ Mit Pflanzen, die besser an ungünstige Wachstumsbedingungen angepasst seien, könne ödes Land fruchtbar gemacht werden.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Fakten

Gentechnisch veränderte Pflanzen

• Ins Erbgut der Pflanze werden gezielt Genmaterialien anderer Organismen eingeschleust. Die Veränderungen sollen Soja, Weizen, Raps, Mais und viele andere Kulturen widerstandsfähiger machen, etwa gegen Schädlinge und Dürre. Und Feldfrüchte lassen sich so mit Vitaminen anreichern.

• Neue Züchtungen sind Rohstoff-Lieferanten: Biotechnologisch erzeugte Kartoffelsorten liefern zum Beispiel Stärke für die Verarbeitung zu Papier, Baustoffen oder Klebemitteln.

• Kritiker dieser Technologie befürchten ein unkalkulierbares Risiko für Gesundheit und Umwelt. So könnten sich beispielsweise Genpflanzen mit Wildformen mischen. Zudem habe sich der Einsatz von Pestiziden nicht verringert, wie neueste Studien zeigten. Denn auch Schädlinge passten sich an.

Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang