Industrie

Deutschland und Amerika: Wer fährt besser?


Saisonbereinigte Werte; Quelle: IW; Datenbasis: Statistisches Bundesamt, US-Arbeitsministerium Foto: dpa, Grafik: <em>Atkiv</em>

Der Vergleich der Lohnstückkosten zeigt: Unser Job-Wunder hatte seinen Preis

Köln. Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose: Deutschland ist besser durch die Krise gekommen als andere Industrieländer. Doch die Erfolgsstory hat eine Schattenseite. Weil die Betriebe trotz zwischenzeitlich niedriger Auslastung ihre Mitarbeiter nach Kräften an Bord hielten, stiegen die Lohnstückkosten.

Darunter versteht man das Verhältnis der gezahlten Arbeitsentgelte (inklusive aller Nebenkosten) zur produzierten Gütermenge. Im Klartext: die Arbeitskosten, die rein rechnerisch in einer Einheit Produktion stecken.

Die Entwicklung ist durchaus bedenklich, wenn man sie zum Beispiel mit der im größten Industrieland USA vergleicht. Dass Betriebe mit aller Macht für ihre Arbeitsplätze kämpften, hat beiden Seiten Vorteile gebracht – aber das hatte seinen Preis: Der Standort Deutschland hat sich nachhaltig verteuert. Das errechnete jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

In den USA senkten Betriebe die Ausgaben

Demnach waren die durchschnittlichen Lohnstückkosten der deutschen Industrie von Anfang 2008 bis Anfang 2009 um 25 Prozent gestiegen: Die Betriebe hielten viel Personal, das sie nicht brauchten. Oder sie schickten es in Kurzarbeit – und blieben auf vielen Ausgaben sitzen, etwa fest vereinbarten Sonderzahlungen oder Beiträgen zur betrieblichen Altersversorgung.

Auch wenn viele Unternehmen inzwischen wieder besser ausgelastet sind: Nach der jüngsten Statistik lagen die Lohnstückkosten auch im dritten Quartal 2010, also von Juli bis September, immer noch um 11 Prozent höher als vor der Krise.

Ganz anders lief es in den USA. Dort ist die Zahl der Erwerbstätigen im Krisenjahr 2009 um dramatische 11 Prozent gesunken, Millionen Amerikaner mussten sich

von heute auf morgen beruflich neu orientieren.

Doch die Betriebe konnten ihre Kosten nahezu parallel zur Produktion zurückfahren. Die Lohnstückkosten lagen auf dem Höhepunkt der Krise „nur“ um knapp 9 Prozent höher als Anfang 2008. Und im dritten Quartal 2010 nur noch um fast unmerkliche 2 Prozent.

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