Stromnetz

Deutschland-Premiere: Tiefgekühltes Kabel überträgt bald auch bei uns Energie


Essen/Hannover. Premiere im Pott: Ab Ende dieses Jahres versorgt ein in Deutschland einzigartiges „Supraleiterkabel“ die Innenstadt von Essen mit Strom. Es überträgt bei gleichem Außendurchmesser etwa fünfmal so viel Energie wie ein herkömmliches Kupferkabel – und nahezu verlustfrei. Wie das geht? Flüssiger Stickstoff kühlt den Kabelstrang auf minus 200 Grad Celsius runter und setzt den elektrischen Widerstand des Leiters auf null.

Das eiskalte, rund 1.000 Meter lange Stück Stromnetz ist Herzstück des Projekts „AmpaCity“: In diesem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Vorhaben arbeiten der Stromversorger RWE, das Karlsruher Institut für Technologie und der in Hannover ansässige Kabelproduzent Nexans AG zusammen.

Der Elektroingenieur Frank Schmidt leitet bei Nexans die Aktivitäten im Bereich Supraleitung. Monatelang hat sein Team die Eigenschaften des Kabels im Hochspannungslabor in Hannover getestet. „Der Vorteil ist, dass man mit viel kleineren Spannungen als bei herkömmlichen Kupferkabeln arbeiten kann“, sagt Schmidt. Dadurch könne man sich die oft turnhallengroßen Umspannstationen sparen, die in den dicht besiedelten Städten wertvollen Platz belegen.

Allein in Essen (570.000 Einwohner) gibt es 36 derartige Umspannanlagen. „Beim Supraleiterkabel benötigen wir nur noch kleine Stationen für die Kühlung mit Stickstoff“, erklärt Schmidt.

Das Essener Pilotkabel ist mit einer ebenfalls supraleitenden Schutztechnik gegen Kurzschlüsse kombiniert. Das bedeutet: Im Fall eines Kurzschlusses wird der Strom effektiv begrenzt und schont das Kabel sowie die nachfolgenden Anlagen.

Die Inbetriebnahme Ende 2013 ist für Nexans der vorläufige Höhepunkt eines mehr als zehnjährigen Entwicklungsprozesses. „Wir haben 2001 mit den Aktivitäten begonnen“, berichtet Schmidt. 2008 wurde ein erstes, 600 Meter langes Supraleitungskabel in den USA verlegt, 2012 ein zweites.
Der weltweit tätige Konzern (25.000 Mitarbeiter, 7 Milliarden Euro Jahresumsatz) beschäftigt in Hannover rund 500 Mitarbeiter. Sie produzieren Nieder-, Mittel- und Hochspannungskabel, Freileitungen für Hoch- und Höchstspannung sowie Spezialkabel.

„Wir arbeiten mit unseren Produkten auch an der Umsetzung der Energiewende mit“, sagt Christian Wittneven, Mitglied der Geschäftsführung von Nexans Deutschland. Das neu entwickelte Supraleitungskabel sei ein Baustein dieser Strategie. Nexans bindet auch Windparks an Land und auf See an. Erst kürzlich wurde das Werk Hannover mit der Produktion, Lieferung und Montage von 53 Kilometern Seekabel für einen Nordsee-Windpark beauftragt.

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