Leitartikel

Deutschland im Rentenrausch

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Es ist ein sagenhafter Anstieg um 27 Prozent: Bundesweit 824.000 Menschen haben im vergangenen Jahr erstmals eine gesetzliche Altersrente bezogen.

Ein dolles Ding ist auch: Um 12 Prozent stieg im Jahresverlauf 2014 die durchschnittliche Altersrente – von Frauen, die früher Kinder großgezogen haben.

Zwei Fakten, die zeigen, was zurzeit in unserer Rentenkasse abgeht. Und im Juli 2015 gab es ja auch wieder für alle Ruheständler relativ kräftig obendrauf, 2,1 Prozent im Westen und 2,5 Prozent im Osten. Die Alterung der Gesellschaft, der Doppelpack aus „Rente mit 63“ und „Mütterrente“, die Dynamik der jährlichen Erhöhungen: Da ist schwer was los!

Die Party läuft und läuft, als gäbe es kein Morgen. Gut 200 Milliarden Euro Rentenbeitrag von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie fast 70 Milliarden Euro Bundeszuschuss (also Steuergeld) sorgen sozusagen für den diesjährigen Nachschub an der Getränkefront. Er war zuletzt noch ein wenig überschäumender als gedacht, es lief ja gut in weiten Teilen der Wirtschaft. Sodass die Bundesbank jetzt im Monatsbericht als automatische Folge in Aussicht stellt: Der Rentenbeitrag könnte Anfang 2016 sogar noch einmal leicht sinken.

Doch wehe, wenn auch hier nach dem Rausch der Kater folgt! Der nächste Abschwung der Weltwirtschaft, von dem wir vielleicht gerade die ersten Anzeichen sehen, bringt die Rentenkasse schnell in neue Nöte. Dabei kosten Mütterrente und Rente mit 63 auch künftig jeden Monat Geld – und nach und nach gehen nun die geburtenstärksten Jahrgänge aufs Altenteil. Ein, zwei Jahre nach der nächsten Bundestagswahl wird die Regierung Ausgaben kürzen. Ganz nüchtern.


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