Griechenland: Was wäre, wenn...?

Deutsche wollen „Grexit“ nicht – aber sie könnten ihn verkraften

Wiesbaden. Das Tête-à-Tête von Alexis Tsipras und Angela Merkel im Kanzleramt hat die Stimmung noch mal gedreht: Im jüngsten „ZDF-Politbarometer“ sind die Deutschen mehrheitlich gegen den „Grexit“, den Ausstieg Griechenlands aus der europäischen Währung. Doch er bleibt eine Option – im Poker der Athener Linksregierung mit den internationalen Geldgebern.

Deshalb hat der Sachverständigenrat der „Fünf Weisen“, der die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, jetzt vorsorglich den schlimmstmöglichen Fall analysiert: einen „griechischen Zahlungsausfall“, womöglich ergänzt durch „die Neueinführung einer nationalen Währung“.

Der Befund der Experten lautet: „Während im Zeitraum 2010 bis 2013 die Gefahr erheblich war, dass der Währungsraum insgesamt zerbrechen könnte, hat sich seither die Situation erheblich verändert.“ Zur leicht verbesserten wirtschaftlichen Lage (siehe Grafik) komme inzwischen ein „fiskalischer Krisenmechanismus“ durch den sogenannten Euro-Rettungsschirm und die Europäische Zentralbank.

Die Behauptung von Griechenlands Regierungschef, der Rest Europas würde sich mit einem Grexit ins eigene Fleisch schneiden, ist aus Sicht der Fünf Weisen falsch: „Die Auswirkungen der Unsicherheit über den weiteren Fortgang in Griechenland beschränken sich vor allem auf das Land selbst.“ Ansteckungseffekte auf andere Krisenstaaten seien aktuell „nicht beobachtbar“.

Auch die Banken außerhalb Griechenlands und damit die Sicherheit der Spareinlagen wären „kaum betroffen“. Inzwischen lägen 80 Prozent der im Ausland gehaltenen griechischen Staatsschulden-Papiere „bei öffentlichen Kreditgebern“. Für Deutschland liege das Ausfall-Risiko bei 56,5 Milliarden Euro.

Die Experten stellen klar: Auf unsere eigenen Schulden im Sinne der Euro-Obergrenzen hätte das „keinen Einfluss“. Das Geld müsse schlimmstenfalls „langfristig abgeschrieben“ werden.


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