Export

Deutsche Bierbrauer setzen zunehmend aufs Ausland

München. Die Fußball-WM zeigt Wirkung: Im ersten Halbjahr 2014 stieg der Inlandsabsatz deutscher Brauer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent – auf knapp 40 Millionen Hektoliter. Auf Fan-Meilen, in Biergärten und vor dem heimischen Fernseher wurde wohl ordentlich gebechert. Aber nur weil die Deutschen mal ein wenig tiefer ins Bierglas geschaut haben, stellt sich bei den heimischen Brauern noch längst keine Sektlaune ein.

Der langfristige Trend ist nämlich eindeutig: Die Deutschen greifen immer seltener zum Bier. 2013 tranken sie pro Kopf noch 108 Liter – rund 30 Liter weniger als noch vor 20 Jahren. Der Inlandsabsatz der deutschen Brauereien sank zeitgleich um rund ein Fünftel.

International ist das Image exzellent

Auf dem heimischen Markt allein ist nicht mehr viel zu holen. Das haben vor allem die bayerischen Brauer verstanden. Sie haben deshalb zuletzt ihr Auslandsgeschäft deutlich ausgebaut – und damit ihren Gesamtabsatz stabilisiert. Ihr Exportanteil wuchs in den vergangenen zehn Jahren von 8 auf 20 Prozent. Bundesweit stieg er im gleichen Zeitraum von 12 auf 16 Prozent.

„Viele bayerische Brauereien machen das mittlerweile richtig gut im Ausland“, sagt Reiner Klinz von der internationalen Unternehmensberatung KPMG. Laut dem Getränkemarkt-Experten hilft den Firmen dabei ein exzellentes Image. „Deutsches Bier hat international einen sehr guten Ruf“, sagt er. „Aber bayerisches Bier steht noch einmal eine Stufe höher.“

Eine Brauerei, die diese Stärke ausspielt, ist Hofbräu München. Ihr Exportanteil hat sich von 1988 bis 2013 auf 50 Prozent verdreifacht. Was sie früher insgesamt an Bier hergestellt hat, verkauft sie heute fast allein im Ausland.

Ein Ende des Wachstums scheint nicht in Sicht. „Überall im Ausland ist noch Luft nach oben“, behauptet Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. Je ein Drittel des Exports gehen nach Italien und in die USA. Russland (8 Prozent) und China (3 Prozent) folgen.

Die Brauerei punktet mit bayerischer Gemütlichkeit und dem Oktoberfest. Damit verbinden weltweit viele Menschen eine Münchner Marke wie Hofbräu. „Das hilft uns natürlich sehr“, sagt Brauerei-Mann Hempl. Hinzu kommt das berühmte Münchner Hofbräuhaus. Mit Ablegern in den USA, in China und in Dubai gewinnt das Unternehmen zusätzlich neue Kunden.

Neue Strategie für den Heimatmarkt muss her

Trotz aller Anstrengungen und Erfolge im Ausland wäre es aber falsch, den Inlandsmarkt kampflos aufzugeben. KPMG-Experte Klinz rät deshalb den Brauern, ihr Angebotsspektrum zu vergrößern und Nischen stärker als bisher zu besetzen. „Da tut sich schon was“, sagt er, „aber die Sortimente sind häufig immer noch sehr traditionell.“

Bier sollte eine Geschmacksvielfalt wie Wein erreichen, findet Klinz. „Das geht mit sogenannten Craft-Bieren, für die man mutig mit Wasser, Malz und Hopfen experimentiert.“ Trotz Reinheitsgebot seien dann sogar Geschmacksnoten wie Frucht, Kaffee und Schoko drin. „Bier muss vom reinen Durstlöscher zum Genussmittel werden“, rät der Fachmann.


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