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Fahrplanwechsel 2017

Deutsche Bahn: Wo es hakt – und was die neue Schnellstrecke Berlin–München bringt

Seit dem Fahrplanwechsel sind Städte und Regionen zeitlich näher zusammengerückt – zumindest theoretisch. Denn auf der neuen Schnellstrecke Berlin–München gab es von Anfang an Probleme. Die Bahn hat ihre „Baustellen“ nicht im Griff.

Schnittig: Der neue ICE 4 auf der jetzt komplett fertiggestellten Hochgeschwindigkeitstrasse. Foto: Deutsche Bahn

Schnittig: Der neue ICE 4 auf der jetzt komplett fertiggestellten Hochgeschwindigkeitstrasse. Foto: Deutsche Bahn

München. Seit dem 10. Dezember rasen die weißen ICEs mit einem Tempo von bis zu 300 Stundenkilometern von München nach Berlin – zumindest laut Fahrplan. Das letzte Teilstück des aufwendigsten Schienenprojekts im Zuge der Wiedervereinigung ist in Betrieb gegangen.

Für die Bahnkunden bedeutet die Fahrplanumstellung die „größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn“, jubelte der Schienenkonzern noch vor der Eröffnung. Doch er muss jetzt einiges nachbessern, damit die Bahn kommt – und zwar pünktlich.

Wenn alles glattläuft, fahren Urlauber und Geschäftsleute im ICE-Sprinter in knapp vier Stunden mit vier Stopps von München nach Berlin, zwei Stunden schneller als zuvor. Der ICE mit mehr Zwischenhalten benötigt viereinhalb Stunden.


Insgesamt 17 Millionen Menschen entlang der Schnellfahrstrecke sollen, so die Bahn-Strategen, von kürzeren Reisezeiten und neuen Verbindungen profitieren – auch die Bürger abseits der großen Ballungsräume (siehe Tabelle). Und Thüringens Landeshauptstadt Erfurt ist jetzt eine neue Drehscheibe mitten in Deutschland: Dort halten täglich 80 ICE-Züge, pro Stunde fährt in alle vier Himmelsrichtungen je ein weißer Schienenjet. Neue und schnellere Direktverbindungen führen unter anderem nach Stuttgart, Nürnberg und Hamburg.

Bis zu 10.000 zusätzliche Sitzplätze zwischen München und Berlin

Wegen der attraktiven Fahrzeiten rechnet die Bahn mit deutlich mehr Kunden: Deshalb bietet sie an Werktagen bis zu 10.000 zusätzliche Sitzplätze auf der schnellen Trasse an.

Auch Kunden in Hessen können sich über große Verbesserungen freuen. So gibt es nun zwischen Frankfurt und Berlin ein Drittel mehr direkte ICEVerbindungen. Bis zu zwei Fahrten pro Stunde – einmal via Braunschweig und einmal via Erfurt.

Mit dem Fahrplanwechsel kommen zudem neue Züge auf die Schiene. Der ICE 4 nimmt auf der Strecke München–Hannover–Hamburg seinen Regelbetrieb auf – und schrittweise auch auf der Linie Hamburg–Kassel–Frankfurt–Stuttgart. Erst Ende 2018 werden laut Bahnplanung die modernsten ICEs auch über die neue Trasse fliegen. Der Zug hat – ein Novum in der Geschichte der ICEs – auch Platz für Fahrräder.

Ein großes Thema ist nach wie vor das WLAN in den Zügen – und das wird auch in näherer Zukunft noch häufig ruckeln, weil vielerorts Funkmasten fehlen. Bislang können nach DB-eigenen Messungen selbst ICE-Reisende nur mit 78-prozentiger Sicherheit auf WLAN zurückgreifen.

Bleibt noch die Pünktlichkeit – wichtig besonders für alle, die umsteigen müssen: In den letzten sechs Monaten (Stand Oktober) fuhren nicht einmal acht von zehn Fernzügen nach Plan. Wobei die Bahn auch die Züge als pünktlich ausweist, die höchstens fünf Minuten Verspätung haben.

Da ist es nur gut, dass Reisende aus Berlin jetzt in Nürnberg rund 40 Minuten Zeit haben, um beispielsweise ihren Anschlusszug nach Regensburg oder Passau zu kriegen. Die Bahn nennt das „entspanntes Umsteigen“.

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