Interview

Deutsche Bahn: Wo es beim Güterverkehr auf der Schiene hakt

Berlin. Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro Verlust gemacht. Schuld daran sei der Güterverkehr. Über die Ursachen hat AKTIV mit Professor Gernot Liedtke gesprochen. Er leitet die Abteilung Wirtschaftsverkehr am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Warum wird immer weniger über die Schiene befördert, obwohl das Güteraufkommen in Deutschland steigt?

Ein wichtiger Grund ist der sehr niedrige Dieselpreis. Und die Unzuverlässigkeit im Schienenverkehr spielt eine große Rolle.

Inwiefern?

Es kommt häufig vor, dass Güterzüge mit Verspätung ans Ziel kommen, oftmals einen ganzen Tag. Das schreckt anspruchsvolle Logistik-Kunden ab.

Was sind die Ursachen für diese Verspätungen?

Erstens gibt es mehrere Engpässe hierzulande, wo das Schienennetz einfach überlastet ist und verspätete Züge warten müssen. Aber auch, wenn ein Zug die deutsche Grenze überfährt, kommt es zu Verzögerungen.

Warum?

Es gibt viele Regulierungen, die von Land zu Land unterschiedlich sind. Ein Beispiel ist die Zuglänge. In manchen Ländern sind 750, in andern 400 Meter erlaubt. An der Grenze müssen Züge dann geteilt werden, eine zweite Lok plus Lokführer muss her. Zudem sind Zugsicherungssysteme unterschiedlich und erfordern Zusatzausrüstungen für internationale Züge.

Also sind es eher strukturelle Ursachen als hausgemachte der Bahn?

Die Güterverkehrsparte der Bahn hat sich verändert, muss aber noch vieles anpacken. In der Krise war das Ziel, Kosten zu sparen. Aber bis heute gibt es keinen Plan dafür, wie man das Geschäft ankurbelt, wenn es wieder gut läuft, oder wie man in neue Märkte einsteigt.


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