Interview

„Deutlich unter Bundesniveau“


Trotz besserer Konjunktur hat die Chemie in Baden-Württemberg zu kämpfen

Baden-Baden. Die Krise ist überstanden, Deutschland atmet auf. Warum die Chemie aber immer noch nicht rundläuft erklärt Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg.

AKTIV: Herr Mayer, was macht der XXL-Aufschwung in der Chemie in Baden-Württemberg?

Mayer: Den haben wir nicht. Natürlich geht es unseren Unternehmen besser als in der Krise. Jeder Zuwachs ist erst einmal ein Aufholen dessen, was verloren ging. Das Vorkrisenniveau haben wir nach wie vor nicht erreicht.

AKTIV: Hat das einen besonderen Grund? 

Mayer: Insbesondere die Pharma-Industrie hat im vergangenen Jahr deutliche Rückschläge hinnehmen müssen. Der Umsatz ist um mehr als 6 Prozent abgesackt, im Inland sogar um über 9 Prozent. Und weil der Pharma-Anteil bei etwa 40 Prozent liegt, leidet die gesamte Branche in unserem Land darunter. Der Chemie-Umsatz ist mit 3 bis 4 Prozent deutlich unter dem Bundesniveau angestiegen.

AKTIV: Andere Sparten – und die gesamte Chemie – haben zugelegt. Warum Arzneimittel-Hersteller nicht?

Mayer: Ursachen sind die „alten“ und die neuen Gesundheitsreformen im Jahr 2010. Die Pharma-Unternehmen werden im Gesundheitswesen einseitig belastet.

Nehmen Sie nur die Zwangsrabatte – die sind erhöht und ausgeweitet worden. Das schlägt direkt auf die Umsätze und Erträge der Firmen durch und das bei immensen Forschungsaufwendungen.

AKTIV: Wie sieht das für die Arbeitsplätze aus?

Mayer: Im gesamten Krisenverlauf haben die Arbeitgeber ihre Stammbelegschaften überwiegend gehalten.

Mit einer Entlastung bei den Lohnkosten können die Betriebe nicht rechnen. Damit die Beschäftigung in diesem Jahr weiter stabil bleibt, brauchen wir ein nachhaltiges Wachstum, das uns wieder über das Vorkrisenniveau bringt.

AKTIV: Wie muss dann der Tarifabschluss  aussehen?

Mayer: Eine Tariferhöhung kann berücksichtigen, dass die Arbeitnehmer einen Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet haben.

Aber sie darf nicht über das Niveau ansteigen, das auch die kleineren und schwächeren Betriebe dauerhaft erwirtschaften können.

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