Mehr Kitas – mehr Kinder

Deshalb ist die Geburtenrate in Frankreich höher als bei uns


Foto: Getty

Wiesbaden/Paris. Ein Kleinkind leidet, wenn die Mutter berufstätig ist: Zwei Drittel hegen dieses Vorurteil, fand das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden heraus.

Kind und Karriere, das passt in Deutschland noch immer schlecht zusammen, stellen die Forscher fest. Dass eine Frau bei uns im Schnitt nur 1,36 Kinder kriegt, liegt nicht nur an fehlenden Betreuungsplätzen. „Wer die Kleinen in Krippe oder Kita bringt, wird schnell als Rabenmutter abgestempelt“, heißt es in der Studie.

Andere Länder machen es besser: In Frankreich bringt eine Frau durchschnittlich zwei Babys zur Welt. Und das, obwohl 80 Prozent der Französinnen zwischen 25 und 49 berufstätig sind, meistens in Vollzeitjobs. „Die Betreuung ist gut organisiert, arbeitende Mütter sind akzeptiert“, heißt es in der französischen Botschaft in Berlin.

Mehr Plätze zur Betreuung: Die Hälfte der unter Dreijährigen geht in eine staatliche Krippe, in Deutschland knapp ein Drittel. Ab August sollen hierzulande Kleinkinder zwar eine Platzgarantie bekommen. Doch die Kommunen schwitzen, weil noch Zigtausend Erzieher und knapp 200.000 Plätze fehlen.

Dank Familien-Pauschale zahlen französische Eltern ab dem dritten Kind fast keine Steuern mehr

Danach kommt der Kampf um einen Platz im Kindergarten. Fast alle kleinen Franzosen besuchen dagegen die freiwillige Vorschule, die école maternelle.

  • Vorschule ist kostenlos: Eltern zahlen für ihre Kinder nur das Essen. Betreuungsausgaben für die jüngeren Geschwister, etwa bei einer Tagesmutter, setzen sie zur Hälfte von der Steuer ab. Bei uns ist der abzugsfähige Betrag pro Jahr und Kind bei 4.000 Euro gedeckelt.
  • Am Nachmittag gut untergebracht: Ganztagsschulen haben in Frankreich Tradition. Bereits in der Vorschule spielen und lernen die Jüngeren bis nachmittags um halb fünf. Selbst für die 17 Wochen Schulferien (12 Wochen in Deutschland) gibt es eine Lösung: Gemeinden bieten Feriencamps an.
  • Das dritte Kind lohnt sich: Zwar fällt das Kindergeld in Frankreich magerer aus. Dafür belohnt der Staat Familien mit kräftigen Nachlässen. Das Einkommen wird durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt. Mit durchschnitt­lichem Einkommen sind ab dem dritten Kind fast keine Steuern mehr fällig. „Die Einkommensteuer wird um bis zu 2.000 Euro pro Kind gemindert“, so die französische Botschaft.

Dagegen werden beim Ehegattensplitting in Deutschland nur Ehepartner steuerlich berücksichtigt, Kinder aber nicht. Es ist finanziell günstiger, je größer der Unterschied zwischen den Einkommen der Partner ist. Ein Vollzeitjob mit höherem Verdienst ist für Frauen so wenig attraktiv.

Was meinen Sie: Ist Deutschland zu wenig kinderfreundlich?

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