Energie aus Afrika

Der Wüsten-Strom kommt bald auch zu uns


In Nordafrika startet der Bau erster Kraftwerke – ein Riesen-Geschäft auch für deutsche Unternehmen

München. Den Strom in der Wüste gewinnen – jetzt geht es los. Marokko wird noch in diesem Jahr mit dem Bau eines ersten größeren Sonnen-Kraftwerks beginnen. Auch das Unternehmenskonsortium Desertec Industrie Initiative (DII) steht in den Startlöchern, um erste Anlagen zu errichten.

„2014 wird dann erstmals Strom aus der Wüste fließen“, kündigt DII-Geschäftsführer Paul van Son an, „für Marokko und nach Europa.“ Bereits zwei Jahre später soll ein riesiges Sonnen-Kraftwerk eines tunesisch-britischen Konsortiums 700.000 Haushalte in Italien versorgen.

Der Wettlauf um die unerschöpfliche Energie der Wüste ist eröffnet. Auch deutsche Unternehmen wollen da mitmischen. Immerhin geht es um Projekte im geschätzten Wert von 400 Milliarden Euro.

Mehr als 50 Firmen im Konsortium

Mit der Summe sollen in Nordafrika und dem Nahen Osten bis zum Jahr 2050 Hunderte Sonnen-Kraftwerke, Solar- und Windparks errichtet werden, die sowohl die Wüstenstaaten und zum Teil auch Europa mit preiswertem Öko-Strom versorgen sollen.

Vorangetrieben wird die Idee für das Jahrhundert-Projekt „Desertec“ von der DII in München, der über 50 Unternehmen angehören, darunter auch die Stromkonzerne Eon und RWE. Neben Banken könnten sie die Investitionen stemmen helfen.

Große Hoffnungen auf Aufträge machen sich die Spezialisten für Solarstrom. Denn die Sonne strahlt in den Wüsten doppelt so intensiv wie in Deutschland. Sie soll nach den Plänen der DII ein Drittel des Öko-Stroms liefern.

Mit einer neuen, preiswerteren Spiegeltechnik für Sonnen-Kraftwerke will etwa die Nürnberger Flabeg (1.800 Mitarbeiter) ins Rennen gehen. Und die französische Firma Soitec mit Produktion in Freiburg setzt auf neuartige Mehrfach-Solarzellen. „Unsere Module kommen auf 30 Prozent Wirkungsgrad, doppelt so viel wie herkömmliche Technik“, erklärt Geschäftsführer Hansjörg Lerchenmüller.

In Marokko plant die Soitec, die in Freiburg 200 Mitarbeiter hat, zunächst einige Kleinanlagen. Der Firmenchef ist überzeugt: „Mittelfristig werden alle Wüstenstaaten in Solarenergie investieren.“

Und in die Windkraft. „Denn die Sahara ist ein vorzüglicher Standort für Windenergie-Anlagen, so gut wie die Nordsee“, berichtet Jochen Kreusel. Der Ingenieur ist beim Technologie-Konzern ABB in Zürich Experte für das Desertec-Projekt. „Der Wind soll mehr als die Hälfte des Wüstenstroms liefern.“ Ein völlig neuer Aspekt bei der Stromerzeugung in der Wüste.

Doch bei ABB (145.000 Mitarbeiter) setzt man schon auf dieses Geschäft. Sowie auf das mit Hochspannungsgleichstrom-Leitungen. Sie sollen den Wüstenstrom über die bis zu 3.000 Kilometer langen Strecken ohne viel Verlust nach Europa transportieren, so Kreusel. „Auf 1.000 Kilometer gehen so nur 3 Prozent der Energie verloren.“

Jahrhundert-Projekt als Job-Maschine

Selbst Zulieferer wie der Kabel-Spezialist Leoni in Nürnberg stehen bereit. Der Konzern (63.000 Mitarbeiter) will verlegefertig vorkonfektionierte Kabel für Solar-Kraftwerke liefern, sagt Vorstandschef Klaus Probst. „Wir erhoffen uns weltweit 120 Millionen Euro Umsatz in den nächsten zehn Jahren.“
Schon jetzt dürfte deshalb feststehen: Das Jahrhundert-Projekt wird auch eine Job-Maschine.

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