Wenn der Forst lockt

Der Wald ist ein enormer Wirtschaftsfaktor – und auch Sehnsuchtsort

Berlin. Thomas, Paul, Bernhard und Christoph, vier gestandene Mannsbilder in den 40ern, suchen auch in diesen Wochen wieder das Abenteuer und die Nähe zu ihrem besten Freund: Seit 27 Jahren zelten die ehemaligen Pfadfinder jeden Winter – im Wald! Von solchen Typen berichtet, in einer Auflage von 100.000 Exemplaren, das Magazin „Walden“. Das breite Publikum erfährt auch alles übers Holzhacken und Hüttenbauen.

Die Deutschen haben den Wald wiederentdeckt. Und nicht nur die harten Jungs. Während die einen das Abenteuer suchen oder wandern, treffen sich andere zum Meditieren, oder sie umarmen Bäume. Über Freundschaften, Gefühle und Gedächtnis von Bäumen schreibt – allen Ernstes und höchst erfolgreich! – der Förster Peter Wohlleben. Sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ rangiert seit Monaten unter den Top Ten der Sachbuch-Bestseller-Liste.

114.000 Quadratkilometer groß sind die Wälder, 1.400 Quadratmeter pro Einwohner. Sie sind Seelenbalsam – und Job-Garant. 86.000 Waldarbeiter, Holzfäller und Förster arbeiten unmittelbar im Wald. Wenn man jene hinzurechnet, die Holz sägen, damit handeln, daraus Latten und Leisten herstellen, Zellstoff und Papier produzieren oder Möbel, Dachstühle und Häuser aus Holz fertigen, sind es viel mehr.

„Insgesamt bieten Forst- und Holzwirtschaft 720.000 Arbeitsplätze“, sagt Philipp zu Guttenberg, Präsident der privaten Waldbesitzer. Es gehe um gut 100.000 Betriebe mit rund 120 Milliarden Euro Jahresumsatz. Wenn man Verlage und Druckereien mitzähle, komme man sogar auf 1,1 Millionen Arbeitsplätze.

„Man entnehme dem Wald nicht mehr Holzmasse als auch nachwächst“: Mit diesem Satz begründete Hans Carl von Carlowitz, ein Oberberghauptmann aus Sachsen, schon vor rund 300 Jahren das ökonomische Prinzip der Nachhaltigkeit. Aktuell ist die Branche noch viel zurückhaltender: In ganz Deutschland wachsen 110 Millionen Kubikmeter Holz im Jahr, geschlagen werden 56 Millionen.

Zudem wird importiert. „Holz ist gefragt wie lange nicht“, sagt zu Guttenberg. „Zwölf Millionen Haushalte heizen damit.“ Viele Männer und Frauen verbinden auch das mit Naturerlebnis: Mit Axt und Kettensäge stapfen sie in den Wald und schlagen ihr Holz selbst; die dafür obligatorischen Lehrgänge sind derzeit gut besucht.

Und woran liegt es, dass der Wald zunehmend auch wieder „Sehnsuchtsort“ ist, wie es Professor Ulrich Reinhardt formuliert? Der Wissenschaftler erforscht Freizeit-Trends an der in Hamburg ansässigen BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Er meint: „Mit seiner Ruhe und Ursprünglichkeit ist der Wald der Kontrast zur Schnelllebigkeit unserer Zeit.“

Die digitale Revolution und all die anderen Veränderungen: Wir können das besser meistern, wenn wir ab und zu richtig frische Luft atmen.


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