Einwegflaschen besser als ihr Ruf

„Der Verbraucher kann ohne schlechtes Gewissen weiterhin zu Einweg greifen“

München. Das Umweltbundesamt will Einwegflaschen mit einer Strafabgabe belegen – zugunsten von Mehrwegflaschen. Aber ist das Mehrwegsystem generell umweltfreundlicher? Stephan Huckemann relativiert das. Er ist Autor einer Studie über Mehr- und Einweg im Handel und Partner beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte in München.

Was ist das Ergebnis?
Wir haben die Umlaufhäufigkeit von Mehrwegflaschen analysiert. Anders als häufig dargestellt, sind die Umlaufzahlen je nach Gebinde und Getränke-Segment unterschiedlich. Es gibt Mehrwegflaschen, die bis zu 70-mal neu abgefüllt werden. Immer öfter sind es auch weniger als 10 Umläufe. Eine Aussage, Mehrweg sei generell umweltfreundlicher, ist daher falsch.

Woran liegt das?
Die Hersteller wollen sich von der Konkurrenz abheben. Flaschen werden individuell gestaltet. Dadurch sind sie nur noch von einem oder wenigen Abfüllern nutzbar – und büßen einen Teil ihrer ökologischen Vorteile ein.

Was heißt das konkret?
Wird eine solche Individualflasche aus Norddeutschland in Süddeutschland verkauft und kann dort nicht abgefüllt werden, muss sie nach der Rückgabe den langen Weg zum Ursprungsabfüller antreten. Hinzu kommt der Sortieraufwand. Zudem werden viele Flaschen falsch einsortiert, können also vom Abfüller nicht genutzt werden. All das führt zu einer Verschlechterung der Ökobilanz beim Mehrweg.

Wie soll sich der Verbraucher also verhalten?
Bei regionalen Produkten ist Mehrweg wegen der kurzen Transportwege im Vorteil. Einweg kommt besonders bei Produkten mit langen Transportwegen ins Spiel. Das Pfandsystem führt sie zurück in den Wertstoffkreislauf. Die hohe Rücknahmequote dort zeigt: Der Verbraucher verhält sich richtig. Er kann ohne schlechtes Gewissen weiterhin zu Einweg greifen.


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