Standpunkt

Der Verbrauch und die Jobs

Wie entstehen neue Arbeitsplätze? Nicht so, wie viele glauben!

Ein massiver Aufschwung am Arbeitsmarkt – ohne dass die Menschen im Land mehr Geld ausgegeben hätten: Das ist die für „Kaufkraft“-Ideologen erstaunliche Bilanz seit 2005. Letztes Jahr ging der private Verbrauch sogar um 0,4 Prozent zurück, während die Beschäftigung um 600.000 Leute wuchs und das Volkseinkommen um 2,5 Prozent.

Aber statt sich jetzt einmal selbstkritisch zu fragen, wieso Aufschwung ohne Mehrverbrauch läuft, wollen die Gewerkschaften wieder an der Kaufkraftschraube drehen. Das nütze dem Land, behaupten sie: Anders als durch steigende Verbrauchsausgaben der Arbeitnehmer werde es nicht weiter aufwärts gehen.

Nun rechnen unsere Wirtschaftssternengucker allerdings zumindest mit einer Abschwächung der Gedeihlichkeit. Die Finanzkrise, die nach wie vor horrenden Energie- und Rohstoffpreise sowie sinkende Nachfrage etwa aus  Amerika, England und Spanien (wo die Kaufkraft der Menschen jahrelang durch unrealistisch günstige Hauskredite hochgejazzt wurde!) geben Anlass zur Sorge.

Bereits dieses Jahr, so erklären uns die Zukunftsforscher weiter, soll es unseren Export treffen und nächstes Jahr auch die Investitionen. Beide Größen sind zuletzt kräftig gewachsen. Unterm Strich laufen die Prognosen für beide Jahre auf geringeres Wachstum der Wirtschaft hinaus – und der Beschäftigung.

Umgekehrt jedoch beim privaten Verbrauch! Der vielmehr 2008 wieder ins Plus drehen soll. Erst schrumpft er, und es entstehen Jobs, dann wächst er, und der Job-Boom kommt zum Erliegen – wie passt das zusammen?

Zwar muss man mit solchen rückblickenden und mehr noch mit vorausschauenden Rechnungen vorsichtig sein. Nicht alles, was gleichzeitig passiert, ist wirklich Ursache und Wirkung. Aber dass Verbrauch und Beschäftigung voraussichtlich gleich zweimal gegenläufig sind, sollte der Kaufkraft-Fraktion doch zu denken geben.

Mindestens für einen Teil der jüngsten Entwicklungen liegt diese einfache Erklärung nahe: Investitionen steigern die Ergiebigkeit der Herstellung von Gütern und Diensten und damit die Beschäftigungschancen, aber sie müssen aus Gewinnen oder Ersparnissen finanziert, also in beiden Fällen letztlich vom Verbrauch abgezwackt werden.

Insofern entspricht zumindest eine kurzfristige Gegenläufigkeit von Verbrauch und Beschäftigung dem gesunden Menschenverstand.


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Schlagwörter: Arbeitsmarkt

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