Leitartikel

Der üble Feldzug gegen einfache Arbeit

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Von den immer noch 2,9 Millionen Arbeitslosen haben 1,3 Millionen keinerlei Ausbildung oder Studienabschluss. Dass es überhaupt noch geht, ohne Beruf einen Job zu finden, daran hat die Zeitarbeit wichtigen Anteil – zu 40 Prozent erledigt sie Helfer-Tätigkeiten. Der „Klebe­effekt“, also dass viele Menschen auf diesem Weg eine Festanstellung mit Aufstiegsperspektive fanden, ist durch Studien eindeutig belegt. Doch es sieht so aus, als ob dieser Weg jetzt erfolgreich versperrt worden ist. Von Leuten, die glauben, sie hätten die Moral für sich gepachtet.

An der Statistik ist das noch nicht abzulesen – sie ist stabil (800.000 Zeitarbeiter), hinkt aber fast ein Jahr hinterher. Doch wer systematisch in der Branche herumfragt, wie kürzlich das Marktforschungsinstitut Lünendonk, registriert eine Zeitenwende. Das Helfer-Geschäft kommt stark unter Druck, ist zu hören, als Zeitarbeiter nachgefragt sind verstärkt Fachkräfte. Ungelernte werden nur noch für Kurzeinsätze angefordert – also mit wenig Chancen, sich zu beweisen.

Es war die SPD, die die Zeitarbeit 2004 radikal liberalisierte und wachsen ließ. Doch dann traten (auch beflügelt durch Fälle von Missbrauch, etwa bei der inzwischen pleitegegangenen Drogeriekette Schlecker) die Gutmenschen aus Politik und Gewerkschaften in Aktion. Sie erweckten mit dem Kampfbegriff der „Leiharbeit“ den Eindruck, Menschen würden wie Gegenstände herumgereicht – dabei geht es um tariflich geregelte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Und sie beschränkten mit Mindestlohn und Branchenzuschlag die Möglichkeit, einfache Arbeit anzubieten.

Das Ergebnis ist für die Schwachen im Land ganz schlecht.


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