Erderwärmung

Der Treibhauseffekt verliert keineswegs an Bedeutung


Köln. Auf zwei Grad will die Uno die Erderwärmung begrenzen – und man könnte derzeit denken, das wird ein Selbstläufer. Der Winter in Deutschland war ja lang und kalt, auch das Frühjahr lausig. Und nach Nasa-Daten hat sich die Atmosphäre seit 15 Jahren nicht mehr weiter erwärmt; sie ist aktuell 0,8 Grad wärmer als 1850, das Referenzjahr des Uno-Ziels.

Doch der Schein trügt. Die Klimaforscher geben keinesfalls Entwarnung. Und die Klimapolitik schaltet nicht auf Schongang.

Zwar erwärmt der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen die Erde langsamer als gedacht. Das teilte im Juni die Weltelite der Klimafoscher mit, in einem zweiseitigen Papier gespickt mit mathematischen Formeln.

In China beginnt ein Mentalitätswandel

„Aber wenn die Welt so weitermacht, ist die Erdatmosphäre im Jahr 2100 vier Grad wärmer als 1850“, erklärt einer der Autoren, Professor Reto Knutti von der Universität ETH Zürich auf Anfrage von AKTIV. Bisher habe man fünf Grad erwartet. Laut der neuesten Computersimulationen laufe es etwas besser – unter anderem wirkten die Meere stärker als Puffer. „Aber das ist nur vorübergehend. Und wir liegen immer noch weit über dem Uno-Ziel.“

Nötig bleibe die „massive Verringerung des CO2-Ausstoßes“, so Knutti. Auch die „Geneva Association“, Denkfabrik der Versicherungswirtschaft mit Sitz in Genf, warnte letzte Woche: Die Erderwärmung bringt mehr Naturkatas­trophen wie die jüngste Elbeflut und steigende Meeresspiegel. Die älteste CO2-Messwarte der Welt, die Station Mauna Loa auf Hawaii, registrierte kürzlich mehr als 400 Teilchen Kohlendioxid je Million Teile Luft, ein neuer Rekordstand. Solche Meldungen lassen die Politiker nicht kalt.

Zwar endete der 18. Weltklimagipfel im vergangenen Dezember ergebnislos. Doch die Präsidenten der beiden größten Klimagas-Produzenten China und USA, Xi Jinping und Barack Obama, verkündeten bei ihrem jüngsten Treffen einen Durchbruch: Sie wollen die Produktion von Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) herunterfahren, die besonders stark zum Treibhauseffekt beitragen.

Obama hat gerade einen breiten Aktionsplan gegen den Klimawandel vorgestellt. Ihm hilft, dass die USA neuerdings mehr Erdgas und weniger Kohle verbrennen – in Gaskraftwerken entsteht weniger CO2. Der gesamte CO2-Ausstoß war 2012 so niedrig wie seit 1994 nicht mehr. Unterdessen kopiert China die europäische Praxis, die Emission von Treibhausgasen durch „Verschmutzungsrechte“ in den Griff zu bekommen. „In der Industriemetropole Shenzhen startete kürzlich ein Pilotprojekt mit 630 Firmen“, weiß Dirk Rommeney, China-Experte der Umweltorganisation Germanwatch in Bonn. Die in Paris ansässige Internationale Energieagentur stellt fest: Einen Handel mit Emissionsrechten führen weltweit immer mehr Länder ein.

Bisher will die EU die Welt quasi im Alleingang retten

Für Europas Industrie ist das eine Chance: Die Sorge, durch den Klimaschutz ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, könnte am Ende geringer werden. Bisher hadert sie damit, dass die EU die Welt quasi im Alleingang retten will (siehe Grafik). Deshalb ist sie dagegen, dass die EU-Kommission die Emissionsrechte für 900 Millionen Tonnen Treibhausgas aus dem Markt nehmen und so den Klimaschutz verschärfen will. Über den Plan wird in Brüssel seit Monaten gestritten.

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Übrigens

Das Ozonloch schließt sich

• Während die Welt bislang vergeblich versucht, die Treib­hausgas-Emissionen zu senken, ist eine zweite Gefahr für die Erdatmosphäre offenbar gebannt: das Ozonloch.

• Die Menge des Ozons, das vor den UV-Strahlen der Sonne schützt, hat sich über dem Südpol wieder merklich erhöht, meldet das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

• Im Montrealer Protokoll 1987 hatten sich viele Staaten verpflichtet, die Produktion der sogenannten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) zu stoppen. Das gilt als Paradebeispiel für globale Umweltpolitik.

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