Jubiläum

Der Star aus der Schublade


Dünner als ein Menschenhaar und kaum zu ersetzen: Die Alufolie wird 100 Jahre alt

Eine Diva ist sie ja nicht gerade. Meistens spielt sie nur die Nebenrolle, obwohl sie von Natur aus glänzt und glitzert. Auf ihren nächsten Einsatz wartet sie zusammengerollt in der Küchenschublade. Aber jetzt ist es Zeit, sie rauszuholen und mal richtig zu feiern. Unsere Alufolie wird im Oktober 100 Jahre alt!

Wenn Robert Victor Neher das gewusst hätte: Dieser Herr baute 1910 in der Schweiz das erste Aluminium-Walzwerk, zwei Jahre später produzierte er auch im Schwarzwald. Damals war die Alufolie noch rund drei hundertstel Millimeter „dick“.

Heute ist sie weit dünner als ein Menschenhaar! „Vier tausendstel Millimeter ist das Dünnste, was wir walzen“, sagt Ulrike Klett, Sprecherin eines der größten Walzwerke Europas, Amcor Flexibles in Singen (Schwarzwald). In der Fabrik, die schon seit 98 Jahren existiert, arbeiten heute 1.100 Leute. Sie machen pro Jahr bis zu 100.000 Tonnen „Vorwalzbänder“ platt, die in der Regel noch etwa einen Millimeter dick sind. Erst nach dem Walzen wird die Folie erhitzt, so wird sie weich.

In ihren Anfängen schmiegte sich die Alufolie um Schokolade der Marke Toblerone und Brühwürfel von Maggi. Doch erst in den 50er- und 60er-Jahren machte sie so richtig Karriere. In dieser Zeit vervierfachte sich die Produktion, und es entstanden VerbundMaterialien wie der Tetrapak – den gäbe es ohne die Alufolie gar nicht.

Sie schützt vor Licht und Bakterien

Heute ist die Alufolie kaum zu ersetzen. Kein anderes Material schützt wie sie vor Licht, Feuchtigkeit und Oxidierung, vor Wärmeverlust und Bakterien. Dabei ist sie ungiftig und geschmacksneutral.

In ganz Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 262.000 Tonnen Alufolie produziert. Der knisternde Verkaufsschlager hat allerdings auch Feinde. Nämlich diejenigen, die ihn mit dem Kommentar „umweltschädlich!“ in die unterste Schublade verbannen.

Ja, die Produktion von Aluminium ist energieintensiv. In Zahlen: Für die Gewinnung eines Kilogramms (das reicht für 54 Quadratmeter Folie mit einer Dicke von sieben tausendstel Millimetern) wird so viel Energie benötigt, wie ein Durchschnittshaushalt an ein bis zwei Tagen zur Stromversorgung braucht.

Allerdings ist Alufolie zu 100 Prozent recyclingfähig.  Aluminium kann unendlich oft wiedergeboren werden. Das macht es doch umweltfreundlich. Der Gesamtverband der Aluminium-Industrie wirbt: Bei der Wiederverwertung von Aluminium werde nur etwa ein Fünftel so viel Energie gebraucht wie bei der Herstellung.

Also daran denken: Die gebrauchte Folie gehört in den gelben Sack.

Ihr Recycling sichert 20.000 Jobs

In Deutschland landen bereits mehr als 80 Prozent der Alu-Verpackungen im Recycling-Kreislauf. Und der ist ein richtiger Job-Motor: Die Wiederverwertung des Metalls sichert 20.000 Arbeitsplätze.

In der gesamten Aluminium-Industrie arbeiten bei uns übrigens 74.000 Leute in 600 Betrieben. Und die produzierten im vergangenen Jahr bereits fast doppelt so viel wiederverwertetes wie neues Aluminium. Nicht nur aus zusammengeknüllter Haushaltsfolie, sondern zum Beispiel auch aus Schrottautos: Bei Fahrzeugen beträgt die Aluminium-Recyclingquote sogar 95 Prozent.

Info: Warum Alufolie eine matte Seite hat

Vorne glänzend, hinten matt: Aber welche Seite gehört beim Backen und Verpacken nun nach innen? Die Antwort: Es ist egal. Die Unterschiede kommen durch die Produktion zustande. Im letzten Walzgang werden nämlich zwei aufeinanderliegende Folien auf einmal bearbeitet. Nur ihre Außenseiten kommen mit den glatten Walzen in Kontakt, sie glänzen deshalb mehr als die Innenseiten.

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