Banken

Der Stabilitätstest


7 Fragen und Antworten zur Lage der deutschen Kreditinstitute

 

 

Die hohe Staatsverschuldung einiger Euro-Länder hält in diesen Wochen die Regierungen und die Finanzwelt in Atem. Kommt es wieder zu einer Krise wie nach der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers vor drei Jahren? Oder ist dieses Mal alles gar nicht so schlimm? AKTIV gibt einen Überblick über die Situation und die Erwartungen.

 

 

 

Nach langem Ringen steht jetzt fest: Den Griechen wird demnächst die Hälfte ihrer Staatsschulden erlassen. Darauf haben sich Ende Oktober die Regierungen der 17 Euro-Länder geeinigt. Die Mitglieder von Finnland bis Malta sahen für die Hellenen keine andere Chance, aus den Miesen zu kommen – trotz gezahlter Milliarden-Hilfen.

 

 

 

Der bisher größte Wackelkandidat in der Euro-Zone scheint gerettet zu sein. Aber der sogenannte Schuldenschnitt in Griechenland hat auch Folgen für alle deutschen Banken, die dem südeuropäischen Staat Geld geliehen haben. Ihnen steht ein Stabilitätstest bevor.

1. Droht schon wieder eine Bankenkrise?

 

 

Bisher nicht. „Wir haben zwar eine Staatsschulden-Krise, aber mit Sicherheit keine Bankenkrise“, stellt Professor Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim fest. Wegen des Schuldenschnitts in Griechenland sehen auch deutsche Banken 50 Prozent ihres Geldes nicht mehr wieder: Mit dem Kauf von griechischen Staatsanleihen haben sie den Südeuropäern Euros geliehen. ZEW-Experte Schröder erwartet aber, dass die Kreditinstitute das verkraften. Schlimmer wären Zahlungsausfälle der größeren Länder Spanien und Italien. Doch Schröder beruhigt: „Dort sehe ich aktuell keine akuten Probleme.“

2. Wie viele Milliarden brauchen die Banken?

 

 

Die 60 größten europäischen Banken benötigen insgesamt 106 Milliarden Euro – wegen des Schuldenschnitts für Athen und wegen möglicher Verluste mit Staatsanleihen anderer Euro-Länder. Das schätzt die Europäische Bankenaufsicht EBA. Nur mit diesem zusätzlichen Geld könne das Kapital-Fundament der Finanzinstitute stabil bleiben. Deutschlands Geldhäuser brauchen wahrscheinlich relativ wenig; ihr Kapitalbedarf dürfte unter 10 Milliarden Euro liegen. Das ergibt sich aus einem „Blitz-Stresstest“ der EBA: Sie hat die Bilanzen von 13 wichtigen Kreditinstituten unter die Lupe genommen.

3. Sind die Banken selbst schuld?

 

 

Politik und die Finanzbranche streiten über die Frage, ob die Banken den Euro-Staaten zu viel Geld geliehen haben oder ob die Regierungen zu viele Schulden gemacht haben. „Eine Debatte darüber bringt uns nicht weiter“, mahnt Commerzbank-Chef Martin Blessing. „Wir müssen die Probleme gemeinsam lösen.“

 

 

 

Tatsache ist: Die Politik hat den Banken bisher nicht vorgeschrieben, mit einer Kapitalreserve für den möglichen Ausfall von Staatsanleihen vorzusorgen. Das war vor allem im Interesse der Regierungen. Denn so konnten sie sich zu relativ günstigen Zinsen bei den Kreditinstituten verschulden. Staatsanleihen galten als Wertpapiere ohne Risiko. Der Fall Griechenland macht jetzt aber klar, dass das nicht mehr so ist. Die EU hat deshalb entschieden, dass die Banken ihr Eigenkapital aufstocken müssen.

 

 

 

 

4. Was kostet das den Steuerzahler?

 

 

Wenn Banken jetzt wegen der Schuldenkrise ihr Eigenkapital erhöhen müssen, geht das auch aus dem Gewinn. Oder indem sie ihre Eigentümer um Geld bitten, als Aktiengesellschaft also die Aktionäre. Ob die staatseigenen Landesbanken eine Kapitalspritze brauchen, steht noch nicht fest.

 

 

 

Zusätzliches Risiko für Steuerzahler: Die EU und die Bundesregierung schlagen vor, dass auch private Banken Geld aus dem „nationalen Rettungsfonds“ bekommen – falls sie sich privates Kapital nicht beschaffen können. Nach der Lehman-Pleite 2008 hat der deutsche Staat schon Banken stützen müssen – so den Immobilien-Finanzierer HRE und einige Landesbanken. Dies wird Deutschland nach einer Schätzung des Statistik-Amtes der EU knapp 39 Milliarden Euro kosten. Die Schlussrechnung gibt es aber erst, wenn der Bankenrettungsfonds Soffin in 10 bis 15 Jahren abgewickelt wird.

5. Werden die Banken jetzt verstaatlicht?

 

 

Die Kreditinstitute wehren sich gegen solche Pläne aus Berlin und Brüssel. „Sie haben ihr Eigenkapital längst erhöht“, sagt Andreas Schmitz, der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken. Das sei eine Lehre aus der Lehman-Krise gewesen. „Ihnen jetzt gegen ihren Willen Eigenkapital aufzuzwängen, verschlimmert die Krise nur“, so Schmitz. „Denn die Staaten müssten sich dafür weiter verschulden.“ Die Deutsche Bank will unbedingt ohne Staatsgeld auskommen.

 

 

 

Fachleute bezweifeln, dass eine Zwangsverstaatlichung rechtlich möglich wäre. ZEW-Experte Schröder: „Dafür gibt es keine Basis.“

6. Welche Folgen befürchtet die Industrie?

 

 

Eine Kreditklemme zeichnet sich bisher nicht ab. Aber es gibt Bedenken: Unternehmen könnten infolge der aktuellen Probleme nicht mehr genug Geld bekommen. „Die Ansteckung der Realwirtschaft durch den Wackelkurs der Banken ist ohne Frage gegeben“, warnt Thomas Lindner, Präsident des Maschinenbau-Verbands VDMA. Die „Realwirtschaft“ (alles außer der Finanzbranche) dürfe nicht noch einmal Opfer einer Verschuldungs- und Bankenkrise werden. Nach der Lehman-Pleite hatten sich Firmen immer wieder beklagt, dass sie mit Kreditanträgen abgeblitzt seien. So fehlten etwa Maschinenbauern Mittel, um Aufträge von Kunden vorzufinanzieren oder in Technik zu investieren.

7. Ist das Geld von uns Sparern sicher?

 

 

Ganz klar: ja, weil die deutschen Banken stabil sind“, sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. „Keiner muss sich Sorgen machen.“ Ihre Worte erinnern an den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Lehman-Pleite 2008. Mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück hatte sie vor Fernsehkameras versprochen: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Zum einen gibt es für private Bankeinlagen einen doppelten Schutz: eine gesetzliche Entschädigung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank sowie großzügige Feuerwehr-Fonds der Finanzinstitute. Zum anderen hatten Merkel und Steinbrück damals klargestellt, dass der Staat im Notfall einspringen würde.

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