Tarifvertrag

Der richtige Abschluss zur richtigen Zeit


Wie die Pilot-Einigung aus Nordrhein-Westfalen in den Betrieben ankommt

Frankfurt/Darmstadt. „Betriebe gestärkt, Jobsicherung erleichtert!“ So brachte Eduard Kulenkamp den Tarifabschluss der Mittelgruppe der Metall- und Elektro-Industrie auf den Punkt.

Kulenkamp ist Verhandlungsführer für die Arbeitgeber, die sich Anfang März in Darmstadt mit dem IG-Metall-Bezirk Frankfurt einigten, den Tarifabschluss aus Nordrhein-Westfalen zu übernehmen. Laufzeit: 23 Monate.

Danach gibt es für die rund 400.000 Beschäftigten der Branche in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zwei Einmalzahlungen im Mai und im Dezember 2010 in Höhe von je 160 Euro und ab 1. April 2011 eine Erhöhung der Entgelte um 2,7 Prozent.

Mit dem Tarifvertrag „Zukunft in Arbeit“ werden die Kosten der Kurzarbeit gesenkt und ein freiwilliges betriebliches Modell der Kurzarbeit geschaffen.

„Der Abschluss ist genau die richtige Entscheidung in schwieriger Zeit“, kommentiert Martin Krebs, Geschäftsführer der Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf. Das Unternehmen entwickelt und produziert mit 3.000 Mitarbeitern Gussteile für Industrie-Unternehmen in aller Welt, vorrangig für den Fahrzeug- und den Maschinenbau.

Kosten senken und Arbeitsplätze sichern

„Wie alle in der Branche hatten wir mit einem deut­lichen Umsatzrückgang zu kämpfen, mussten sogar schweren Herzens Arbeitsplätze abbauen und unseren Mitarbeitern Zugeständnisse abverlangen“, erläutert Krebs.

Noch läuft Kurzarbeit. „Aber dank unseres Kostensenkungsprogramms und des moderaten Abschlusses erwarten wir, wieder schwarze Zahlen zu erreichen und die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern.“

Erleichterung über das Ergebnis der Tarifverhand­lungen zeigt auch Oliver Rüspeler, Geschäftsführer von Johannes Hübner in Gießen. Seit Jahrzehnten setzt das 80 Mitarbeiter zählende Unternehmen weltweit Maßstäbe in der Geber- und Antriebstechnik für den Anlagenbau. Letztes Jahr musste auch Rüspeler Kurzarbeit anmelden, für dieses Jahr will er es nicht ausschließen.

„Keine zusätzlichen Belastungen in diesem Jahr durch eine prozentuale Erhöhung der Entgelte, sondern nur Einmalzahlungen macht es uns aktuell wirklich einfacher“, so Rüspeler. „Lieber eine Jahresendprämie, wenn es gut gelaufen ist, als zusätzliche Kosten, die nur weiter belasten und Arbeitsplätze gefährden.“

Erstmals in den letzten

25 Jahren wurden beim Luftfahrtunternehmen Röder Präzision in Egelsbach (bundesweit über 350 Mitarbeiter) Stellen reduziert, um Kosten zu senken. Das Unternehmen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, hat über Bedarf ausgebildet und viele neue Jobs geschaffen.

„Nun hat uns die Wirtschaftskrise getroffen. Das Geschäft in der zivilen Luftfahrt ist schwieriger geworden und die knapp bemessenen öffentlichen Haushalte spüren wir auch bei unseren Kunden aus dem militärischen Bereich“, so Geschäftsführer Hartmann Burandt. „Der maßvolle Abschluss passt bei uns gut in die Zeit.“

„Froh, dass im Sinne von Betrieben und Beschäftigten so schnell eine vernünftige Lösung gefunden wurde“, ist auch Wilfried Baier, Betriebsrat bei Röder Präzision: „In der Krise ist das ein der Zeit angemessener Kompromiss, mit dem wir alle gut leben können.“

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